Kammeroper München – Figaros Hochzeit

Kammeroper München – Figaros Hochzeit

Die Kammeroper München wagte sich im Sommer 2022 wieder an eine der drei großen Da- Ponte-Opern von Mozart: „La Nozze di Figaro“. Sie wird gerne als die brillanteste des
gesamten Repertoires beschrieben. Politisch wollte Mozart nie sein, deutet es hier nur an in dem Konflikt zwischen Adel und Volk. Vielmehr war er an den Seelentiefen seiner
Protagonisten interessiert, die er musikalisch vollendet ausleuchtet. Die Handlung ist humorvoll und bleibt in allen 4 Akten überraschend, schafft immer wieder unerwartete
Wendungen.

Um eine durchgehende Textverständlichkeit zu  erreichen, wird eine eigene deutsche Übersetzung verwendet, daher heißt der Abend nun auch: “Figaros Hochzeit”.
Die Kammeroper kürzt die Spieldauer auf ca. 2 Stunden und 30 Minuten und wird mit jungen  NachwuchssängerInnen – ausgewählt aus dem Pool aller deutschsprachigen
Musikhochschulen – die Rollen besetzen. Eine eigene Fassung aus Bläserquintett,  Streichquintett mit Gitarre und Cembalo wird für das Orchester der Kammeroper arrangiert,
um die jungen Stimmen besonders zu unterstützen und gleichzeitig für Durchsichtigkeit zu sorgen. Durch das Cembalo wird das Orchester perkussiv verstärkt und gleichzeitig auch
das Klangvolumen der Streicher erhöht.

 

Rezension:

Herrlich frisch
Die Kammeroper München bringt Mozarts “Figaro” mit einer tollen, jungen
Besetzung in den Hubertussaal.

Die Kammeroper München hat lange gewartet, bis sie sich an Mozarts “Le nozze die Figaro” wagte,
zu groß war der Respekt vor diesem Werk. Das musste aber gar nicht sein, wie man jetzt erleben
kann. Denn jetzt heißt das Stück “Figaros Hochzeit”, weil auf Deutsch gesungen wird, es ist so etwa
40 Minuten kürzer als im Original, worüber sich Mozart gefreut hätte, und die Aufführung macht
außerordentlich viel Spaß.
Das liegt zunächst am feinsinnigen Arrangement von Alexander Krampe, der sehr nah bei Mozart
bleibt, wenn er die Partitur für das kleine Orchester einrichtet. Er kürzt chirurgisch an vielen Stellen,
mindestens zwei Akte lang könnte man gar nicht sagen, wo er das macht, außer das man sich
wundert, wie rasant die Handlung auf einmal abschnurrt. Johanna Soller dirigiert das Orchester
mit größter Fürsorge für die Sängerinnen und Sänger, streckenweise hat man fast den Eindruck,
man erlebe hier Schauspiel mit Musik, man versteht den Text sehr gut, die Musik legt sich in vielen
Schnörkeln um die Worte. Dazu agieren alle munter und ohne viel Federlesens, die Regie von Maximilian
Berling forciert das direkte Spielen. Allerdings sollte man der Aufführung nicht mit Psychologie
kommen, auch nicht mit der Überlegung, was für ein böser Herrscher der Graf vielleicht ist.
Hier ist er nämlich keiner. Kein Herrscher und nicht böse, sondern in Gestalt von Jonas Müller eher
ein großer Cherubin (hier ohne o am Ende, da ja deutsch), der die Frauen mit fein glimmender
Stimme liebt, auch jene, von denen er die Finger lassen soll.
Im Kern geht es also um fast nichts, das aber toll. Die jungen Sänger der ersten von zwei Besetzungen
brillieren. Johanna Beier (Gräfin): anrührende Kraft. Elisabeth Freyhoff (Susanna): hymnisches
Timbre. Die Duett-Rezitative der beiden sind ein klangliches Wunder. Tabea Mitterbauer ist ein
glühender Cherubin, Nina Schumertl eine leuchtende Marcelina und Linus Mödl ein prächtiger Figaro, mit Kraft und Poesie

 

Egbert Tholl, München in der SZ am 26.8.2022

Datum

Freitag 13. Jan .2023

Uhrzeit

19:30

Status/Info

Kulturbus

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