Kultur im Zelt Hans Mitterer

Das Festival Kultur im Zelt als Startveranstaltung einer Nachhaltigkeit bei Burghauser Kulturveranstaltungen

Die Stadt Burghausen hat für die sechs Handlungsfelder ihres Nachhaltigkeitskonzepts jeweils Leitsätze und Leitziele entwickelt.  Zudem wurden sechs Handlungsfelder bestimmt.

  • Klima und Energie
  • Natürliche Ressourcen und biologische Vielfalt
  • Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation
  • Bildung und Bürgerbeteiligung
  • Soziale Stadt und soziales Miteinander
  • Mobilität

Das vom Stadtrat im Jahr 2022 beschlossene Konzept weist der Kultur Aufgaben im Bereich Soziale Stadt zu. Um für kulturelle Veranstaltungen Anhaltspunkte zu erhalten, wurde beschlossen den CO2 Ausstoß eines Festivals zu messen.  In Zusammenarbeit von Kulturamt, Klimamanagerin der Stadt Burghausen, Umweltamt und Fachhochschule Rosenheim wurde ein erstes Konzept erarbeitet.

Das in Burghausen beliebte Festival kehrte mit neuem Gesicht und nachhaltigem Konzept nach 10-jähriger Pause zurück.  Mit den Headlinern The Notwist, Ankathie Koi & Oskar Haag und Bananafishbones, eingebettet in eine natürliche innerstädtische Landschaft mit Blick über den Wöhrsee stand von 15. Juni bis 2. Juli ein Zirkuszelt mit angeschlossenem Biergarten dem Festival zur Verfügung.

Unter dem Motto „Mehr Kultur, weniger CO2“ wurde erstmals darauf geachtet, den CO2-Ausstoß der Veranstaltung so gering wie möglich zu halten. Daher wurde dafür geworben, klimafreundlich zum Veranstaltungsort zu kommen: auf den mit Solarlampen beleuchteten Spazierwegen oder mit dem Fahrrad zur Pop-Up-Radabstellmöglichkeit direkt am Gelände. Eine kostenfreie, öffentliche Anreise ermöglichte der Kulturbus. Darüber hinaus verwendeten wir zu 100 % Burghauser Ökostrom (von der EBG, dem Burghauser Ökostromanbieter) und wir produzierten weniger Müll aufgrund der Verwendung von Mehrweggeschirr. Wesentlich zur CO2-Reduktion trug auch das Speisenangebot bei: Die Besucherinnen und Besucher hatten die Wahl zwischen vegetarischen und veganen Wraps und regionalem Fisch und Fleisch. Mit engagierter Unterstützung der Caterer konnten erste Werte erhoben werden. Die anschließende CO2-Bilanzierung der Veranstaltung hilft nun, Schwachstellen zu erkennen und in den nächsten Jahren konsequent zu verbessern bzw. CO2 zu reduzieren. Das Ziel ist nicht, komplett emissionsfrei zu werden (dies ginge nur mittels Kompensationszahlungen, auf welche wir vorerst verzichten möchten). Unser Ziel ist es, mit Kultur im Zelt keine zusätzlichen Treibhausgase auszustoßen – verglichen mit der „No Show“, was bedeutet: Würden unsere Gäste zu Hause bleiben oder wo anders hingehen, führe dies ja auch zu einem CO2-Ausstoß. Grundlage und Anlass für erste Überlegungen war der CO2 Rechner des Modular-Festivals Augsburg.

In einem ersten Schritt konzentrierten sich die städtischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf die beiden Bereiche Verpflegung und Mobilität, wo wir die größten Hebel sehen. Beim Augsburger Modular Festival sind diese beiden Bereiche für ca. 80 % des Treibhausgasausstoßes verantwortlich.

Die Frage, welches Essen angeboten wird und wie die Besucherinnen und Besucher zum Festivalgelände kommen, waren daher die zentralen Fragen, die es zu beantworten gab. Wie hoch ist der CO2-Ausstoß von Steckerlfisch und Steaksemmel, Tomate-Mozzarella-Wrap oder eines Käsetellers? Neben dem Ausstoß von CO2 spielen auch Faktoren wie Regionalität, Saisonalität oder ob die Produkte aus biologischem Anbau sind eine gewichtige Rolle.

Bei der Verpflegung konnte mit großer Unterstützung der Caterer Produkte aus der nächsten Umgebung von Burghausen (mit Nennung der Bauernhöfe), vegetarische & vegane Speisen und ausschließlich regionale Getränke angeboten werden.  Hinweis-Plakate mit detaillierten Infos zur Herkunft der Lebensmittel und der CO2-Emissionen der einzelnen Speisen waren auf aufgestellten Plakatwänden ersichtlich.

Bei der Mobilität wurde verstärkt für die Anreise mit dem Fahrrad geworben, es gab einen Shuttlebus vom Bahnhof zum Festivalgelände, sowie eine Fahrrad-Rikscha, die zwischen Parkplatz und Gelände pendelte.

Doch auch schon in der Vorbereitung wurde darauf geachtet, die Printwerbung mit ökologischem Papierdruck CO2-reduziert zu gestalten. Es wurden weniger Flyer als bei vorherigen Veranstaltungen gedruckt, und die Onlinepräsenz wurde mit einer eigenen Webseite aufgewertet. Das Mülltrennsystem wurde von den Besucherinnen und Besuchern sehr gut angenommen. Bei der Organisation der Abholung/Müllabfuhr sehen wir jedoch noch etwas Verbesserungspotential. Hier auf ein Trennsystem umstellen (Papier, Plastik, Restmüll) ist kein Problem, eingespielte Arbeitsabläufe zu ändern, aber schwer.

Um Entscheidungshilfen für die Zukunft zu bekommen, wurden die Besucherinnen und Besucher befragt: In dem Fragenkatalog wurden die Besucher nach der Art des Verkehrsmittels und der Entfernung zum Heimatort gefragt. Hier konnte festgestellt werden, dass die Gäste aus Burghausen zu 80% klimafreundlich anreisten, während die auswärtigen Gäste – mangels Bus- und Bahnverbindungen – überwiegend mit dem eigenen Auto anreisten. Eine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein bekanntes Problem und gegenwärtig nur mit teuren, eigenen Verkehrskonzepten, wie beispielsweise einem von der Stadt bezahlten Shuttlebus zu lösen.

Zudem wurde das Angebot an Speisen abgefragt und die Besucher und Besucherinnen hatten die Möglichkeit, eigene Anregungen bzw. Verbesserungsvorschläge für mehr Nachhaltigkeit & Klimafreundlichkeit zu machen. Hier fiel auf, dass eine große Anzahl der Besucher und Besucherinnen sehr positiv auf die Fragen einging und konstruktive Vorschläge unterbreitete:

Energiesparende Beleuchtung, Solarzellen am Gelände, Einsparung von Plastik bis zur Erhöhung der Preise für nachhaltiges Essen oder der Ausweitung des ÖPNV.  Das gemischte Speisenangebot von vegetarischen und veganen Gerichten sowie klassischer Steaksemmel wurde positiv bewertet und für die Zukunft weiterhin genauso gewünscht.

Eine Mehrheit der Besucherinnen und Besucher wäre bereit, Kompensationszahlungen beim Ticketpreise zu tragen (bis zu 5% pro Ticket), allerdings wünschten sich die meisten Befragten, nachhaltige Projekte in der Umgebung zu fördern.

Immer wieder lobend erwähnt wurde der Versuch der Veranstalter, die Nachhaltigkeit bei dem Festival zu prüfen und zu hinterfragen. Das Thema ist unseren Besucherinnen und Besuchern bewusst und wichtig.

Wir können daher mit Selbstbewusstsein und Rückendeckung unserer Gäste in die weitere Entwicklung unseres Nachhaltigkeitskonzeptes gehen.

Bereits der Fragenkatalog wurde mit Unterstützung von Masterstudenten des Campus Burghausen der Fachhochschule Rosenheim Fachrichtung Betriebswirtschaft ausgearbeitet. Diese werden nun in den kommen Monaten für Kulturveranstaltungen eine „Toolbox“ mit messbaren Indikatoren erstellen und es sollen dann Handlungsempfehlungen für städtische Veranstaltungen und Fremdveranstalter ausgearbeitet werden.

„Kultur in Burghausen ist bunt und vielfältig. Ich lasse mich immer wieder gerne überraschen, welche Angebote die Vereine, Gruppen und Gemeinschaften auf die Beine stellen – klassisch, modern, schräg, kurios, immer spannend, frisch und einzigartig.
Gut, dass wir solche Gruppen in Burghausen haben!”

Florian Schneider, Erster Bürgermeister Stadt Burghausen