Die Urkunde: Vor 700 Jahren veranlasste eine Frau die Gründung des Burghauser Heilig Geist Spital

Vor 700 Jahren veranlasste eine Frau die Gründung des Burghauser Heilig-Geist-Spital


Vor 700 Jahren veranlasste eine Frau die Gründung des Burghauser Heilig-Geist-Spital

 

Von Stadtarchivarin Eva Gilch

 

Burghausen, 17.03.2026. Burghauser und all jene, die den Wöhrsee von der Wöhrgasse kommend besuchen, kennen das BRK-Seniorenhaus Heilig-Geist-Spital in der Mautnerstraße. Immer wieder liest man, dass der reiche Burghauser Bürger Friedrich der Mautner 1332 das Spital gründete. Doch ein Blick in die Quellen des Stadtarchivs zeigt, dass dies so nicht stimmt. Die Spitalgründung geht auf eine Frau zurück, namentlich auf die aus Schlesien stammende Herzogin Judith. Sie war die Witwe des niederbayerischen Herzogs Stephan I. Kurz vor ihrem Tod 1320 verkündete sie, ein Spital in Burghausen für die „Siechen und Dürftigen“ stiften zu wollen. Dies fügt sich ein in die Gründungswelle von Spitälern, die sich in jener Zeit vollzog, wie beispielsweise in Amberg 1317, Ingolstadt 1319 oder Salzburg 1327. Bei den Spitalstiftungen standen religiöse Motive im Vordergrund, so auch bei Herzogin Judith. Sie wollte das Burghauser Spital für ihr Seelenheil und das all ihrer Vorfahren und Nachkommen gründen.

 

Nach dem Tod Herzogin Judiths erfüllten ihre beiden Söhne Heinrich XIV. und Otto IV. sowie deren Cousin Heinrich XV. gemeinsam den Willen der Mutter und Tante. Vor genau 700 Jahren, am 16. März 1326, stellten die Herzöge zwei Urkunden aus, die sich im Stadtarchiv bis heute erhalten haben. Darin stifteten sie verschiedene materielle Grundlagen für die Gründung eines Spitals in Burghausen. Als erste Schenkung nannten sie den Eggenberg mit den Wiesengründen. In dieser Urkunde wird der „Ettenperch“ als Flurname für das Wöhrseegebiet erstmals erwähnt. Damit wurde das Spital wirtschaftlich abgesichert, denn die Ackerflächen am Wöhrsee stellten die Nahrungsgrundlage für die Bewohner des Heilig-Geist-Spitals dar. Ein Schreiben von 1515 berichtet vom Anbau von Hirse, Buchweizen, Gerste, Kraut und Rüben.

 

Das Burghauser Heilig-Geist-Spital in der Altstadt. Foto: Nixdorf
Das Burghauser Heilig-Geist-Spital in der Altstadt. Foto: Nixdorf

Weiters sitfteten die Herzöge dem Spital das so genannte „Mueßsalz“. Dabei handelte es sich um die Abgabe einer größeren Menge Salz aus der einträglichen Burghauser Maut. Das Spital konnte das Salz selbst verbrauchen oder gewinnbringend weiterverkaufen. Außerdem übertrugen die Herzöge die Pfründe von sechs weiblichen Arbeitskräften, die sie kurz zuvor dem Kloster Ranshofen gestiftet hatten, nach Burghausen. Die Dienstbotinnen sollten nun den Kranken und Armen im Spital „warten und dienen, Tag und Nacht“.

 

Den Stiftungen für ein Spital folgten bauliche Aktivitäten. 1330 forderten die Herzöge die Stadt Burghausen auf, eine Stadtmauer um die Spitalvorstadt zu erbauen. In demselben Jahr gewährte Papst Johannes XXII. einen Ablass für jene Gläubigen, die das Spital an bestimmten Feiertagen aufsuchten und hilfreich unterstützten.

 

Im Bewusstsein der Burghauser blieb jedoch vor allem der Beitrag, den Friedrich  der Mautner geleistet hatte. 1332 ließ er das Spitalgebäude mit Kirche erbauen und stiftete zahlreiche Wirtschaftsbetriebe und Wohnhäuser. Damit erweiterte er die materielle Grundlage des Spitals beträchtlich. In der Stiftungsurkunde bezeichnete er sich als Spitalstifter. Das Geburtsjahr des Heilig-Geist-Spitals ist jedoch 1326.

 

Die von der Stadt verwaltete Heilig-Geist-Spitalstiftung ist die älteste bis heute bestehende Stiftung in Burghausen. Sie geht auf die Stiftungsurkunden der niederbayerischen Herzöge von 1326 zurück, deren Bestimmungen zum Teil bis in das 20. Jahrhundert vom Bayerischen Staat erfüllt wurden. Die Salzlieferungen an das Spital wurden 1895 durch Geldzahlungen abgelöst, die bis in die 1950er Jahre von der Oberfinanzdirektion München geleistet wurden.

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