Paul Horchler   Haus der Fotografie

Paul Horchler - Haus der Fotografie


Ein vergessener Bildhauer und Fotograf
Vor 150 Jahren wurde Paul Horchler geboren

Von Eva Gilch

Burghausen. Was ist dem Altar in der Kümmerniskapelle auf dem Hechenberg, der Kanzel in der Studienkirche St. Josef, dem Obelisken zur Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 auf der Napoleonshöhe und den Figuren der Heiligen Georg und Michael in der Stadtpfarrkirche St. Jakob gemeinsam? Sie alle eint, dass sie von dem Burghauser Bildhauer Paul Horchler geschaffen wurden. Obgleich der Künstler während seines 33-jährigen Schaffens in Burghausen und der Region zahlreiche Altäre, Kanzeln und Kreuzwegstationen schuf, ist von seinem Werk nicht viel erhalten geblieben. Hatten ihm die neugotischen Umgestaltungen von Kirchen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts beachtliche Aufträge und auch Ansehen gebracht, so wurden seine Werke in den 1950er und 60er Jahren jedoch fast vollständig entfernt und teilweise zerstört.

Wer war der Bildhauer Paul Horchler, der in den Grüben lebte und arbeitete? Am 16. Mai 1826 in Pfreimd in der Oberpfalz geboren, erlernte er zunächst das Seilerhandwerk bei seinem Vater. Er ging jedoch schon bald zu seinem Bruder nach Regensburg, der dort Bildhauer war. Ab 1849 studierte er Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in München und bildete sich anschließend bei verschiedenen Künstlern, so auch bei Ludwig von Schwanthaler, dem Schöpfer der Bavaria, weiter. 1853 ließ er sich als Bildhauer in Laufen nieder. Ein Jahr später zog er bereits nach Burghausen um, wo er sich größeren wirtschaftlichen Erfolg erhoffte und wo es verwandtschaftliche Bande gab. Sein Schwiegervater war der Bierbrauer und Gastwirt Georg Blum, der in St. Johann den Gasthof zur Schießstatt betrieb. Nach dem Teileinsturz der Pfarrkirche St. Jakob 1851 und ihrem Wiederaufbau wuchs Paul Horchler bei der Planung und Ausführung der neugotischen Ausstattung eine wichtige Rolle zu.

Ein von Horchler selbst erstelltes Werkverzeichnis listet 81 Altäre und 14 Kanzeln in Kirchen der näheren Umgebung wie Tarsdorf, Heiligenstatt bei Tüßling, Garching oder Kastl auf. Aber auch in Grabenstätt am Chiemsee, Landau an der Isar, Hebertsfelden oder Holzkirchen finden sich seine Werke. Neben Arbeiten für den kirchlichen Bereich schuf Paul Horchler auch Grabsteine, Gedenktafeln auf der Burg und betätigte sich als Restaurator, beispielsweise für die Mariensäule am Stadtplatz in Tittmoning. Er gab Unterricht für Linearzeichnen (technisches Zeichnen) und Modellieren an der gewerblichen Fortbildungsschule in Burghausen.

1866 findet sich im Burghauser Anzeigeblatt ein Inserat von Paul Horchler: „Bildhauer und Photograph in Burghausen, fertiget in seinem neu erbauten Glashause, zu jeder Tagesstunde, Photographien auf Papier u. Glas zu den billigsten Preisen.“ Das einzige Foto, das überliefert und Horchler sicher zuzuschreiben ist, zeigt die 1863 abgebrannte Studienkirche St. Josef. Als einziges Foto überliefert es die Auswirkungen des verheerenden Brandes in der Zaglau.

1886 starb der Bildhauer und Fotograf Paul Horchler, der sich neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch für die Stadt Burghausen als Gemeindebevollmächtigter und als Gründer des ersten Verschönerungsvereins 1861 engagiert hatte.

Kommentare sind deaktiviert