Bei der Bürgerversammlung der Stadt Burghausen am Montag, 01. Dezember 2025, im Stadtsaal standen neben der Würdigung engagierter Ehrenamtlicher auch der Rechenschaftsbericht von Erstem Bürgermeister Florian Schneider sowie zentrale Themen zur aktuellen Haushaltslage und künftigen Entwicklung der Stadt im Fokus.
Ehrungen für herausragendes Ehrenamt
Unter dem Leitmotiv „Gemeinschaft und Zusammenhalt“ ehrte die Stadt drei Persönlichkeiten für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement:
- Die silberne Ehrenbrosche erhielt Barbara Reineke für ihren langjährigen Einsatz im sozialen Bereich. Seit zehn Jahren organisiert sie erfolgreich Müttersprachkurse mit Kinderbetreuung, initiierte Schwimmangebote für einkommensschwache Familien und unterstützte während der Corona-Pandemie Schülerinnen und Schüler mit Nachhilfeangeboten.
- Mit der silbernen Ehrennadel wurde Stefan Ertl gewürdigt. Seit fast 40 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Raitenhaslach, davon 18 Jahre als 1. Vorstand, engagiert er sich außerdem seit vielen Jahren herausragend in der Jugendarbeit – zeitweise war die Raitenhaslacher Jugendfeuerwehr die zweitgrößte im Landkreis Altötting. Besonders sichtbar wurde sein Einsatz auch während der extremen Wetterereignisse 2023 und 2024.
- Ebenfalls mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet wurde Bartl Lehrhuber, Gründungsmitglied und Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Burghausen, der seit der Gründung 1990 die gelebte Freundschaft mit den Partnerstädten maßgeblich prägt. Sein Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, internationale Begegnungen zu ermöglichen und insbesondere junge Menschen für den Austausch zu begeistern.
Finanzielle Herausforderungen klar benannt
In seinem Rechenschaftsbericht sprach Bürgermeister Schneider offen über die angespannte Haushaltslage der Stadt. Die jüngst angekündigten Stellenabbauten bei WACKER seien „keine guten Nachrichten“ für den Arbeitsmarkt vor Ort. Gleichzeitig sinken die Rücklagen und werden voraussichtlich 2026 nahezu aufgebraucht sein, während die Verschuldung steigt. Nach dem Rekordjahr 2022 bei der Gewerbesteuer erwartet die Stadt für 2026 nur noch rund 20 Millionen Euro Einnahmen – ein historisch niedriger Wert. Davon fließen erhebliche Beträge ab: Allein die Kreisumlage für das kommende Jahr 2026 beläuft sich geschätzt auf rund 28 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr, also 2025, waren es rund 50 Mio. Euro. Über die Gewerbesteuerumlage überwies Burghausen 2025 rund 2,2 Millionen Euro an den Freistaat Bayern. Zusammen gingen damit rund 52 Prozent des Haushalts des vergangenen Jahres an Landkreis und Freistaat. Gleichzeitig gilt Burghausen offiziell als „zu reich“ für viele staatliche Zuschüsse, etwa für Schulen, Kitas, Sportstätten, Hallenbad oder Freizeiteinrichtungen.
Investitionen trotz Sparzwang
Trotz der schwierigen Lage investiert die Stadt weiter gezielt in Zukunftsprojekte. Neue Schulden sind insbesondere vorgesehen für den Wohnungsbau, laufende Wohnbauprojekte sowie die Sanierung von Schulgebäuden – allein hierfür mit einem Volumen von rund 13,5 Millionen Euro.
Weitere zentrale Themen waren:
- Ganztagsbetreuung (gebunden und offen): Weiter steigender Bedarf – aktuell rund 656 Kinder
- Studentisches Wohnen: Bau geförderter Ein-Zimmer-Appartements
- Buwog-Wohnprojekt Paul-Klee-Straße: Wohnraum für etwa 100 bis 120 Personen – Fokus auf moderaten Gesamtmietkosten
- Sanierung der Hans-Stethaimer-Grundschule
Bürgermeister Schneider machte auch klar, dass man um Einschnitte nicht herumkommen werde. Hier stehen alle freiwilligen Leistungen der Stadt auf dem Prüfstand, unter anderem die Kinderbetreuung und die Vereinszuschüsse. „Aber auch in der Stadtverwaltung wird gerade unter Hochdruck geprüft, an welchen Stellen wir Kosten einsparen können“, betonte Schneider. Niemand und nichts werde davon ausgenommen: „Egal welcher Bereich – auch Energie oder Umweltschutz. Ein ‚bei mir nicht‘ gibt es nicht“. Genauso sind eigentlich geplante Projekte wie die Sanierung des Liebfrauen-Kindergartens oder der Turnhalle der Stethaimer Schule hintangestellt. Dennoch werde auch für die kommenden Jahre 2026 und 2027 ein weiterer Rücklagenabbau erforderlich sein. „Unser größter Hebel als Stadt ist es, für unsere Industrie für eine gesicherte Energieversorgung zu sorgen“, dazu gehöre auch die Unterstützung von RWE beim Bau eines neuen Wasserstoffkraftwerks. „Ein klares Investitionszeichen in Burghausen als Industriestandort“, hob Schneider hervor.
Stadtentwicklung und Infrastruktur
Im Bereich Umwelt und Versorgung informierte der Bürgermeister über positive Entwicklungen: Die gemessenen PFOA-Werte des Burghauser Trinkwassers liegen deutlich unter den Leitwerten. Die Wasserverlustquote, also der Anteil an Wasser, der zum Beispiel durch undichte Rohre versickert, beträgt in Burghausen nur 4,9 Prozent (Bayern-Durchschnitt ca. 12 Prozent), was für eine sehr gute, intakte Infrastruktur spricht. Die EBG treibt unter anderem mit dem Solarpark Hieringer Feld ihre Ausbauaktivitäten im Bereich nachhaltige Energieversorgung weiter voran.
Ein großes Thema für die kommenden Jahre sind die Erdwärme und Fernwärmeversorgung: Für das Stadtgebiet liegt ein erster Anschlussplan vor, der in fünf Stufen von 2026 bis 2031 umgesetzt werden soll. „Jetzt kommt es auch darauf an, dass möglichst viele Bürger und gewerbliche Kunden mitmachen, damit das Projekt auch wirtschaftlich rentabel ist“, betonte Bürgermeister Florian Schneider.
Zum Salzachareal, wurde informiert, dass der Bau voraussichtlich bis 2028 andauert, die endgültige Gestaltung – inklusive Abriss des ehemaligen Edeka-Gebäudes – etwa 2029 abgeschlossen sein soll.
Hallenbad-Sanierung unumgänglich
Die Sanierung des Hallenbads ist aus statischen und sicherheitsrelevanten Gründen zwingend notwendig. Der Baustart ist für den 02.02.2026 vorgesehen, der letzte Badetag ist somit Sonntag, 01.02.2026. die Bauzeit beträgt rund 20 Monate bis Ende 2027. Fördermittel stehen hierfür nicht zur Verfügung, einige Antragsverfahren sind allerdings noch nicht abgeschlossen.
Tourismus und Jubiläumsjahr
Der Tourismus zeigt sich stabil, mit durchschnittlich rund zwei Übernachtungen pro Gast. Rückblickend zog der Bürgermeister eine positive Bilanz zum 1000-jährigen Stadtjubiläum, mit Highlights wie den Stadtteilfesten, dem Freilichtspiel „Helmbrecht 2025“, der Pappstadt, dem Freilichttheater Grattler-Gruam in Raitenhaslach und der Aktion „1000 Sportabzeichen für Burghausen“.
Zuversichtlicher Ausblick
Trotz aller Unsicherheiten betonte Florian Schneider zum Abschluss seine Überzeugung, die kommenden Jahre gemeinsam meistern zu können: „Die Zeiten sind herausfordernd – aber ich glaube an die Stärke unserer Unternehmer, unserer Industrie und unserer Bürgerschaft. Wir werden die Zukunft gemeinsam gestalten und selbstbewusst bleiben: Wir in Burghausen können viel.“
Redebeiträge aus der Bürgerschaft
In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Drittem Bürgermeister Norbert Stranzinger, kamen vielfältige Themen zur Sprache. Der Wunsch nach dem Burgaufzug wurde ebenso geäußert wie die Anregung, mehr der rund 450.000 Burgbesucher mit einem besseren Wegeleitsystem in die Altstadt zu locken. Feuerlöscher-Vandalismus in der Spitaltiefgarage wurde ebenso angesprochen wie die gefährliche Fußgängerübergangsituation an der Ecke Hofberg Richtung Zaglau. Die Neugestaltung der Marktler Straße bzw. die Verengung der Fahrbahn auf 6,80 Meter wurde als zu schmal kritisiert. Als Antwort verwies Florian Schneider auf den jüngst gefällten Stadtratsbeschluss: Rechtlich wäre eine Breite von 6,50 m möglich gewesen, man habe sich nach Absprachen auch mit Rettungsdiensten auf 6,80 m geeinigt.
Die Präsentation der Stadt Burghausen zur Bürgerversammlung am 1.12.2025 finden Sie hier.
Eine Übersicht zur Bürgerversammlung allgemein sowie die Präsentationen der vergangenen Jahre finden Sie hier.


