Altstadtkümmerer Tobias Hanig zusammen mit Sebastian Nitsch und Christian Baumgartner von der Radlmetzgerei sowie Stadtbaumeister Manfred Winkler und Erster Bürgermeister Florian Schneider in den neuen Ladenflächen im Erdgeschoss der Stethaimer Schule. Der Umzug der Radlmetzgerei wurde von Tobias Hanig vermittelt. Fotocredit: Stadt Burghausen tg

Altstadtkümmerer Tobias Hanig zusammen mit Sebastian Nitsch und Christian Baumgartner von der Radlmetzgerei sowie Stadtbaumeister Manfred Winkler und Erster Bürgermeister Florian Schneider in den neuen Ladenflächen im Erdgeschoss der Stethaimer Schule. Der Umzug der Radlmetzgerei wurde von Tobias Hanig vermittelt. Fotocredit: Stadt Burghausen tg


Geförderte Stabstelle läuft Ende November aus – viele Projekte angestoßen und umgesetzt, weiteres Potenzial vorhanden

Drei Jahre lang, seit dem 1. Dezember 2022, war Tobias Hanig als Altstadtkümmerer zwischen Zaglau und Bräugartl unterwegs – mit besonderem Fokus auf Grüben und Stadtplatz. Ende November läuft die vom Freistaat Bayern geförderte Halbtagsstelle aus. „Es war eine spannende Aufgabe mit vielen Herausforderungen. Ich bin froh, dass wir viele Projekte umsetzen oder anstoßen konnten“, zieht Tobias Hanig sein Fazit. Einige Baustellen bleiben jedoch bestehen. Die Stelle war Ergebnis eines Bürgerbeteiligungsprozesses zur Erhaltung und Gestaltung des historischen Stadtgebiets. Ziel war es, mit dem Altstadtkümmerer eine Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.

Leerstand bekämpfen und Impulse setzen
Ein zentrales Thema war der Leerstand in den Grüben. „Man muss hier allerdings zwischen gefühltem Leerstand und tatsächlich nutzbarem leerstehenden Raum unterscheiden“, so Hanig. Besitzverhältnisse und Sanierungsaufwand spielten eine große Rolle: „Das kann auch eine Stadt wie Burghausen nicht einfach so allein übernehmen, zumal viele Hausbesitzer es bevorzugen, Ladenflächen selbst zu nutzen.“ Die Rolle des Altstadtkümmerers war es, als Bindeglied zwischen Bürgerschaft und Stadtverwaltung zu stehen. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt war sehr angenehm und lösungsorientiert“, lobt Hanig. „Trotzdem konnte ich in meiner Funktion nur Impulse geben, dann musste das den regulären Weg über die Ämter gehen. Ich glaube, das hat einige Erwartungen bei den Bürgerinnen und Bürgern zuweilen gedämpft.“

Viel Potenzial in den Grüben
Ein besonderes Augenmerk lag bei der Arbeit des Altstadtkümmerers auf den Grüben. Beispielhaft nennt Hanig das Ecker-Binder-Haus: Zusammen mit der Hausnummer 176 gehört es zu den ältesten Gebäuden in der Altstadt. In Kooperation mit Architekturstudierenden der Technischen Hochschule Rosenheim unter der Projektleitung von Prof. Gabriel Weber wurde das 500 Jahre alte Baudenkmal bis ins kleinste Detail unter die Lupe genommen und unterschiedliche Raumnutzungskonzepte erarbeitet. Hier laufen die Planungen, das Projekt soll weiter vorangetrieben werden.

Belebung des öffentlichen Raums
Weitere Projekte, die Tobias Hanig anstieß, waren der Wasserspielbrunnen im vergangenen Sommer und das Beachvolleyballturnier, das bei Organisatoren und Zuschauern gleichermaßen sehr gut angenommen wurde. Der Spielbrunnen mit seiner ausgedehnten Wasserfläche sollte in den heißen Sommermonaten zur Aufenthaltsqualität am Stadtplatz beitragen – eines der Themen, die nach Meinung des Altstadtkümmerers weiterhin verfolgt werden sollten, um die Altstadt auch im Sommer besser zu beleben.

Zwischennutzung und Neuansiedlung
Auch zahlreiche Zwischennutzungen konnten realisiert werden, etwa im Salzburger Hof, der zur „Helmbrecht“-Zentrale wurde oder in der Stethaimer Schule, wo heute die Keramikwerkstatt „Marble Mud“ und die Keramikreativ-Werkstatt ansässig sind. Besonders in Erinnerung blieb Tobias Hanig das Projekt der Bildhauerschule Scholz aus Hallstatt: „Das war ein beeindruckender Anblick, als sie ganze Baumstämme in die Studienkirche reintransportiert und dann mit ihren Kettensägen losgelegt haben.“ Erfolgreich war auch die Ansiedlung neuer Geschäfte wie etwa des Platten- und Musikinstrumenteladens am Hofberg, der „Roadhouse Vintage Vibes Store“.

Mit einer erfolgreichen Geschäftsumsiedelung endet nun auch Hanigs „Amtszeit“: Die Radlmetzgerei wird im kommenden Jahr nach der Sanierung der Stethaimer Schule in die neugestalteten Geschäftsräume zum Stadtplatz einziehen. „Wir haben hier attraktive Räume in bester Lage“, begründet Inhaber Christian Baumgartner den Umzug vom aktuellen Laden in der Kanzelmüllerstraße 94. Auch diese Vermittlung kam durch Tobias Hanig zustande.

„Tobias Hanig hat vieles angestoßen, um Burghausen rund um Grüben und Stadtplatz attraktiv und lebendig zu gestalten. Wir nehmen diese wichtigen Impulse mit und wollen darauf auch weiterhin aufbauen, damit die Altstadt trotz ihrer historisch bedingten Einschränkungen das lebendige Herz unserer Stadtgemeinschaft bleibt“, dankt Erster Bürgermeister Florian Schneider. „Für meinen Job gab es keine Blaupause. Burghausen hat hier etwas Unkonventionelles gewagt und ich bin dankbar, dass ich diese Stelle gestalten durfte“, sagt Tobias Hanig. Er bleibt auch zukünftig seiner Leidenschaft für Dorf- und Stadtentwicklung treu – wo genau, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.