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Was gibt es Neues in Burghausen?

Wohnen für Senioren – Zukunftsvision für Burghausen

Im Oktober eröffnet die Tagespflege am Stadler-Hof, weitere Einrichtungen sind in Planung

Zu einem von Erstem Bürgermeister Hans Steindl gestarteten Bürgerdialog über Themen, die vor allem ältere Menschen betreffen, kamen kürzlich über 200 Burghauser und Burghauserinnen ins Bürgerhaus. Referenten waren neben dem Bürgermeister BRK-Kreisgeschäftsführer Josef Jung und Manfred Sturmböck vom Pflegedienst Curamus. Beide verdeutlichten zunächst die Prognosen, die seniorengerechten Wohnraum im Landkreis und speziell Burghausen betreffen. Ein Maximalbedarf an vollstationären Pflegeplätzen im Landkreis Altötting wird demnach für das Jahr 2022 erwartet, danach bleibt der Bedarf konstant hoch. Nicht außer Acht zu lassen sei auch die ständig steigende Zahl von Demenzkranken.

„Es ist eine große Pflicht, für eben diese Menschen etwas zu tun, die nicht zuhause gepflegt werden können“, so Josef Jung. „Angehörige und ihre Partner sind der größte Pflegedienst der Nation“, das führte Manfred Sturmböck aus, denn allein 1,56 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland werden teils ohne professionelle Hilfe von Angehörigen daheim versorgt. Auf den Landkreis bezogen leben 744 Menschen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung in Burghausen, das sind 19 Prozent des Landkreises. „Das Entscheidende wird sein, wie wir diesen Bedarf zukünftig bewältigen können. In Burghausen stellen sich die Verantwortlichen dem Thema, hier sind die Notwendigkeiten erkannt“, so Sturmböck. Jung erläuterte weiter, dass die meisten vollstationären Plätze des Landkreises bisher im Mittelzentrum Alt-/Neuötting geschaffen wurden und ein klares Defizit im südlichen Landkreis bestehe. „Man geht für Burghausen von einem Mindestbedarf von 40 Plätzen aus, ich persönlich halte eher 60 Plätze für angemessen“, so Jung. „Meine Botschaft an den Stadtrat ist, unbedingt Einrichtungen zu schaffen, denn im gesamten Landkreis fehlen für das Jahr 2021 etwa 100 Plätze.“

Das BRK selbst sei in seinen Häusern völlig ausgelastet, kann unter anderem kaum noch Kurzzeitpflegeplätze vergeben, bedauert Jung: „Das ist ein großes Defizit derzeit, wir können in Notsituationen einfach keinen Platz bieten.“ Auch Sturmböcks Skizzierung der momentanen Situation ist nicht besser: „Es gibt im Moment keine Tagespflegeplätze in Burghausen, die Menschen müssen sogar bis nach Neumarkt-St. Veit ausweichen, was nicht nur ein enormer Zeitaufwand, sondern auch hohe Fahrtkosten mit sich zieht.“

Um dieser Zukunftsvision entgegen zu wirken, wurden im Anschluss Projekte vorgestellt, die sich schon konkret in der Umsetzungsphase befinden:

  • Der Bau der Tagespflege „Am Stadler Hof“ durch die Firma Curamus, Eröffnung im Oktober 2019 mit 30 Plätzen, die in Summe etwa 100 Menschen in Burghausen zu Gute kommen wird (Vormerkungen sind ab sofort möglich). Das denkmalgeschützte Anwesen wird dazu derzeit umgebaut und bietet mit dem direkten medizinischen Umfeld eine ideale Lage. Mit geschützter Zufahrt und einem geschlossenen Garten sowie einer gute Citybus-Anbindung und ausreichend Parkplätzen sei die Tagespflege gut aufgestellt. Direkt auf dem Grundstück entstehen zudem noch zwölf weitere Wohneinheiten.
  • In unmittelbarer Nähe werden 50 barrierefreie, seniorengerechte Wohnungen gebaut, Baubeginn ist Herbst 2019

Weiters wurde eine Konzeptüberlegung für das städtische Grundstück auf der Napoleonshöhe vorgestellt: Josef Jung regte an, im südlichen Bereich ein BRK-Seniorenhaus zu erbauen, das daneben mit einem Gebäude der Burghauer Wohnbaugesellschaft für weitere, seniorengerechte Angebote ergänzt werden könnte. Das BRK-Konzept sieht eine Seniorenhaus mit überschaubarem Lebensraum vor, wie es schon in Emmerting und Tüßling erfolgreich betrieben wird. Solche Lebensräume seien gerade für demenziell veränderte Menschen sehr wertvoll. Hier werde in kleinen Hausgemeinschaften unter dem Leitbild „Familie“ gelebt, gemeinsam unter Aufsicht einer Hauswirtschafterin gekocht, Kräuter angebaut oder auch Tiere gehalten. Als Rückzugsraum würden Einzelzimmer vorgehalten.

Erster Bürgermeister Hans Steindl führte dazu näher aus: „Seit zwei bis drei Jahren versuchen wir etwas in diese Richtung zu unternehmen, ohne etwas zu bauen, sondern zum Beispiel durch Anmietung oder Erweiterung von Gebäuden. Wir gehen sogar von einem Bedarf von etwa 60 Plätzen aus. In der Frage der Kurzzeitpflege passiert im Moment nichts, weil ein wirtschaftlich arbeitender Betrieb so eine Einrichtung derzeit nicht vorhalten kann. Meine Überlegung wäre, ein Programm für fünf bis sechs Kurzzeitpflegeplätze aufzubauen, das durch die Stadt oder durch Spender und Sponsoren subventioniert werden könnte.“

Das Stadtoberhaupt erläuterte auch die Pläne für die Erweiterung des Wohnheims Heilig-Geist. „Der Betrieb des Pflegeheims wurde an das BRK abgegeben. Für das Wohnheim mit derzeit 16 Appartements gibt es eine Anmeldeliste mit etwa 200 Bewerbungen, davon sind 80 Prozent Burghauser und Burghauserinnen. Um weitere Wohnungen zu schaffen, wäre eine Aufstockung in jetziger Dachhöhe mit einem Flachdach denkbar.“

Für zukünftige Projekte habe die Stadt auch noch sogenannte Vorratsflächen und Gebäude, beispielsweise der Bereich rund um das Kraus-Anwesen an der Della-Croce-Straße oder das Denkmalsensemble und die Gärten an der Liebigstraße. Möglich wäre auch, die Bebauung zwischen Jakob-Scheipel und Hittorfstraße zu verdichten oder auf dem ehemaligen Gelände des Bauhofes an der Piracher Str. ganz neue, moderne Wohnformen zu gründen. Auch im neuen Baugebiet an der Burgkirchner Straße sei ein Grundstück für gemeinschaftliches Wohnen vorgesehen.

Zur Situation des Burghauser Krankenhauses nahm der Bürgermeister wie folgt Stellung: „Wir wollen ein humanes Krankenhaus für bestimmte Krankheitsbilder schaffen, in dem der Patient ortsnah untergebracht ist. Und es sollte bewusst nicht Krankenhaus heißen, sondern Gesundheitszentrum. Kernbereiche dieser Idee sind ein Zentrum für Altersmedizin mit Abteilungen für Rheumatologie, Diabetologie, Psychosomatik, Geriatrie, Schmerztherapie, Palliativmedizin und Hospiz.“ Auch bezüglich der Notaufnahme beruhigte das Stadtoberhaupt: „Um die Notaufnahme mache ich mir überhaupt keine Sorgen, denn sollte diese durch die Kreisklinken nicht mehr finanzierbar sein, müssen wir das vielleicht mit einem neuen, gemeinsamen Konzept mit Hausärzten, den Medias-Klinken und Bereitschaftsärzten schaffen. Für mich ist auch eine organisatorische Neukonzeption des Krankenhauses in eine gemeinnützige GmbH denkbar. Auf jeden Fall muss die Notaufnahme ohne zeitliche Begrenzung erhalten werden.“

Foto (Stadt Burghausen):
Im Oktober eröffnet die neue Tagespflege „Am Stadler Hof“

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