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Was gibt es Neues in Burghausen?

Steindl: "Burghausen muss Vorreiterrolle spielen"

Baumaßnahmen und Ehrenamt: Die Stadt bereitet sich auf die angekündigten Asylbewerber vor – Freiwillige gesucht

Asylbewerber müssen nicht einfach nur untergebracht werden – man muss sich auch um sie kümmern. Mit mahnenden Worten von Bürgerinsel-Vorstand Josef Schweighofer begann am Dienstagabend die Gesprächsrunde zum Thema Asyl im Bürgerhaus. Die Veranstaltung sollte über die bevorstehenden Entwicklungen informieren, Fragen beantworten, aber auch Burghauser Bürger dazu aufrufen, sich auf ehrenamtlicher Basis für die Flüchtlinge zu engagieren.

Ein derart breites Angebot für Flüchtlinge wie in Burghausen sei einmalig, erklärte Bürgermeister Steindl. Das Thema müsse die ganze Stadt betreffen. Außerdem sei eine gute Vorbereitung auf die Ankunft der Asylbewerber wichtig, stellte Steindl klar: "Hauruck-Aktionen brauchen wir hier nicht. Wir haben gesehen, was in München passiert ist, das war ein Armutszeugnis." Zu den Fakten: Rund 400 Asylbewerber sind derzeit im Landkreis, 700 sollen es werden. Etwa 100 leben aktuell in Burghausen; wenn die Lage für die Flüchtlinge so angespannt bleibt, will Steindl binnen ein bis zwei Jahren noch einmal rund 150 aufnehmen.

Für ein solches Vorhaben braucht man vor allem eines: Wohnraum. Der soll in Burghausen an zwei Standorten geschaffen werden, am Holzfelder Weg und im Gewerbegebiet Lindach A (der Anzeiger berichtete). Nach einem Gespräch mit den zuständigen Sachbearbeitern der Regierung von Oberbayern am Mittwoch sei er mehr als zuversichtlich, dass der Bau im Gewerbegebiet zwischen Juni und Juli 2015 fertig gestellt ist. "Die Regierung findet den Standort gut, auch baurechtlich gibt es kein Problem. Die Infrastruktur passt, Einkaufsmöglichkeiten und Kindergärten liegen in der Nähe. Auch mit einer Wertminderung umliegender Grundstücke ist nicht zu rechnen", erklärte der Bürgermeister. Derzeit sei der Mietsatz noch zu hoch, aber er erwarte, dass man diesen senken und dennoch die angestrebten Standards halten könne, fügte er hinzu. "Wir wollen keine Provisorien und keine Ghettobildung, sondern eine Modulbauweise von guter Qualität."

Für Steindl stand vor dem Gespräch in München aber auch fest: "Auch wenn die Regierung nicht zustimmt, wird für Flüchtlinge gebaut. Das machen wir mit der BuWoG dann eben selbst." Einzig das Datum der Fertigstellung hätte sich leicht verzögert: Das Projekt der Investoren ist voraussichtlich im Sommer 2015 fertig, das der Stadt erst im Herbst.

Als weiteres schwieriges Thema sprach Steindl die Aufnahme der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge an. Hier sei das Jugendamt zuständig, entsprechende Wohnmöglichkeiten und Sozialarbeiter müssten gestellt werden. "Derzeit haben wir 25 jugendliche Asylbewerber in der Stadt. Maximal 40 können wir aufnehmen, mehr geht nicht." Um sich der Jugendlichen annehmen zu können, kommt ab 1. Dezember bekannte Unterstützung: Der ehemalige Kreisjugendpfleger Herbert Beck wurde von Steindl persönlich aus dem Ruhestand zurückgeholt, um die Betreuung zu koordinieren. "Zum Glück", findet Beck. Er freut sich über die neue Herausforderung.

Für gute Aufnahme und Integration der Asylbewerber wird von Seiten der Stadt in jedem Fall gesorgt werden, erklärte der Bürgermeister. "Es wird nicht scheitern an Räumlichkeiten, Mietkosten oder Lehrern", versprach er. "Wir müssen das Gemeinschaftsgefühl nicht nur propagieren, sondern auch vermitteln." Um das zu schaffen, brauche man allerdings die Hilfe von Freiwilligen, versetzte Josef Schweighofer. Konkret heißt das: Für Deutsch-Unterricht, für soziale Eingliederung, für Hilfe im Alltag sind ehrenamtliche Helfer von unschätzbarem Wert. Insbesondere Paten für einzelne Personen, aber auch Gruppen von Flüchtlingen werden gesucht. "Die Menschen kommen oft allein her, verstehen die Sprache nicht, dürfen nicht arbeiten und können sich so schlecht sozial integrieren", erklärt Alfred Danninger. Sie zu besuchen und auch mit ihnen deutsch zu sprechen, bewirke oft schon einiges. Durch Privatleute könnten auch kleinere Arbeitsmöglichkeiten für die Flüchtlinge geschaffen werden, was zusätzlich zur Integration beitrage.

Einem Problem stehen bis jetzt aber sowohl Stadt als auch Bürgerinsel ratlos gegenüber: Wenn die Asylbewerber ihr Bleiberecht erhalten, wo sollen sie dann arbeiten und vor allem, wo sollen sie dann wohnen? "Der Wohnungsmarkt ist angespannt, Wohnungen zu knapp, der Mietspiegel zu hoch", kritisierte Alfred Danninger. Langfristig könne es problematisch werden, den Asylbewerben Wohnungen zuzuweisen, gab Steindl zu. An dieser Stelle seien auch die Burghauser Bürger gefragt: Durch Mundpropaganda erfahre man vielleicht leichter, wann und wo eine Wohnung frei wird.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 22.11.2014 von Lena Huttner/Foto: Huttner

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