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Was gibt es Neues in Burghausen?

Hervorragende Wasserqualität im Wöhrsee

Experte Dr. Joachim Fürst: Phosphatgehalt so niedrig wie sonst nur bei Gebirgsseen – Schwäne kein Problem

Die Burghauser haben einen großen Schatz, den sie hüten sollten – den Wöhrsee. Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Erkenntnisse von Dr. Joachim Fürst reduzieren, als er Stadträten den See und seine Biologie erläuterte. Fürst betreibt seit 25 Jahren in Biberach ein Labor für Fluss- und Seenkunde und berät die Stadt bei der Pflege des Sees.

Entscheidende Stellschraube der Wasserqualität ist nach den Worten von Fürst der Fischbestand. "Mit den Jungfischen können wir den See steuern", sagte Fürst. Positiv habe es sich ausgewirkt, Huchen einzusetzen. Entscheidend sei aber eine kontinulierliche Befischung, eine Tonne Fisch sollte im Jahr dem See entnommen werden. Gut wäre es zudem, aus dem Vorsee noch mehr Jungbarsche herauszubekommen.

Die Fische sind laut Fürst für den See und seine Wasserqualität deshalb so wichtig, weil mit ihrem Bestand das Verhältnis von Algen und Wasserpflanzen gesteuert werde. Algen und Wasserpflanzen stehen in Relation zueinander. Gibt es zu wenig Algen, nehmen Wasserpflanzen überhand. Gleiches gilt umgekehrt. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Die Zahl der Pflanzen fressenden Fische muss stimmen, damit die Menge der Wasserpflanzen im richtigen Maß bleibt.

Was den Phosphatgehalt des Wassers betrifft, so ist der Wöhrsee unter den besten und ist hier nur mit der Qualität von Gebirgsseen zu vergleichen. Der Nitratgehalt bewegt sich im Hauptsee, dem Badegewässer, um die 20 Milligramm je Liter. Zum Vergleich: Bei den derzeit nicht genutzten städtischen Trinkwasserbrunnen in Raitenhaslach liegt der Wert beinahe doppelt so hoch. Der Nitratgehalt im See ist auch geringer geworden. Bei früheren Messungen lag er im Bereich von 40 bis 45 Milligramm. "Hier scheint sich etwas getan zu haben", zog Fürst Bilanz und wies zudem darauf hin, ein kleiner Anteil von mindestens zwei bis drei Milligramm Nitrat sei wichtig, weil sonst eine Blaualgenblüte drohe. Im Wöhrseewasser gibt es viel Nitrit, eigentlich ein Problemstoff, der fischgiftig ist. Aber weil es im Wasser auch Chlorid gibt, werde das Nitrit abgepuffert.

Fürst konnte die Stadträte in einem weiteren Punkt beruhigen. Der Hauptsee und vor allem der Vorsee verlande zwar, aber das geschieht seiner Einschätzung nach so langsam, dass ein Ausbaggern erst in Jahrzehnten zu einem Thema werde. "Der Vorsee als Filter ist wichtig und macht seine Arbeit vorzüglich", betonte Fürst zudem.

Eine Lanze brach der Fachmann auch für die Wasservögel. Bedenken, der Kot der Wasservögel belaste den See, teilte er nicht. Die Enten und auch die Schwäne seien da nicht von Gewicht, so lange sie in der momentanen Zahl vorhanden seien. "Problematisch würde es, wenn wir eine Schwanenkolonie mit 50 Tieren bekommen würden", formulierte Fürst die Belastungsgrenze. Ein mögliches Problem sah er aber schon – Graugänse.

Einig waren sich die Stadträte mit dem Berater darin, auf ein Ablassen des Wassers zu verzichten, wie es früher einmal jährlich gemacht worden ist. Fürst legte den Räten zudem einen engen Kontakt zum Fischereiverein nahe, damit die Angler bei der Befischung mitmachen.

Entwarnung gab Umweltamtsleiter Max Hennersperger auf eine Frage von Bürgermeister Hans Steindl zu möglichen Schadstoffeinträgen aus der Altlastenfläche südlich der Bayerischen Alm in die Quellen am Hammerschmied-Weiher. "Bei Proben konnten keine Schadstoffanteile nachgewiesen werden", so Hennersperger.

Stadtrat Klaus Straußberger regte an, Messstellen nicht nur am See, sondern über die Stadtgrenze hinaus zu errichten, um Stoffeinträge aus regionalen Grundwasserströmen oder aus der Landwirtschaft feststellen zu können. Laut Unterlagen des Wasserwirtschaftsamt fließe der Grundwasserstrom vom Chiemgau konzentriert nach Burghausen. Da dort intensive Landwirtschaft betrieben wird, sollte geprüft werden, ob dieser Grundwasserstrom zur Verunreinigung des Wöhrsees beitrage. Bürgermeister Hans Steindl verwies dazu auf die jetzigen Untersuchungen am Waginger See, der ja zu kippen droht. Steindl sprach sich dafür aus, erst diese Ergebnisse abzuwarten.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 26.01.2

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