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Was gibt es Neues in Burghausen?

Güterterminal steht vor der Ausbaustufe

Noch nutzt allein Wacker die Einrichtung – Steinberger über abgewiesene Mittelständler: "Terminal ist keine Postannahme"

Der Betrieb am Güterterminal hat sich gut eingespielt. Sieben Züge in der Woche verlassen das Gelände an der B 20 und fahren zu den Häfen Hamburg, Bremen und Bremerhaven. Beladen sind sie derzeit noch ausschließlich mit Produkten von Wacker, die in den Häfen für den Weltmarkt verschifft werden. Ein achter Zug ist nach den Worten von Betriebsleiter Wilhelm Schönhuber vom Betreiberkonsortium KTB bereits für die nächsten Tage geplant. Dann werden hier auch Produkte des Unternehmens Vinnolit umgeschlagen.

In Betrieb gegangen ist das Terminal am 3. November letzten Jahres und damit nun ein gutes halbes Jahr in Funktion. Schönhuber, der von der Spedition Karl Schmidt mit Hauptsitz in Heilbronn und Nebensitz in Kastl kommt und für die vier beteiligten Unternehmen den Betriebsablauf koordiniert, ist sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung. Alles hat sich eingespielt und so kann er Mitte Juli den nächsten Schritt angehen. Dann wird die Kapazität noch einmal um drei Züge in der Woche erhöht. Dann werden vom Terminal auch über den Bahnhof Köln-Eifeltor die Westhäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen in den Fahrplan aufgenommen.

Das hat zugleich zur Folge, dass dann der Terminalbetrieb an die 42000 Hübe für den Jahresschnitt heran- und damit an seine Grenze kommt. Mehr ist mit einem Kran nicht mehr zu bewerkstelligen.

Ziel: Grünes Licht noch vor Sommerpause
Betreiber und Eigentümer RegioInvest (Stadt, Landkreis und Unternehmen) haben deshalb eine Erweiterung schon fest im Programm. "Wir gingen zunächst davon aus, dass die Erweiterung erst nach drei Jahren nötig wird", sagt RegioInvest-Geschäftsführer Anton Steinberger. Das Eisenbahnbundesamt hat seinen Worten nach die Erweiterung bereits genehmigt und auch die Zuschüsse zugesichert – mit einer Klausel: Der Betrieb muss gesichert an der Kapazitätsgrenze liegen. Dafür gelte im Normalfall ein Zeitraum von drei Monaten. Mit der Erweiterung wird ein zweiter Portalkran erforderlich. "Dafür liegen derzeit die Lieferfristen bei einem Jahr. Ich will deshalb noch vor der Sommerpause beim Eisenbahnbundesamt die Erlaubnis zur Erweiterung erwirken", stellt Steinberger heraus.

Sieben Millionen Euro kostet seinen Worten nach diese Erweiterung. Schon jetzt ist dafür auf dem Betriebsgelände alles zugeschnitten. Das jetzige Betriebsgebäude ist bereits ausreichend dimensioniert. Falls es notwendig wird, können zu den bestehenden vier Gleisen weitere zwei hinzugefügt werden. Rangieren würde einfacher, weil dann auch einmal ein Zug geparkt werden könnte.

Noch nutzt allein die Wacker-Chemie AG das Terminal für ihre Produkte. Nicht nur für den Export. Hochgerechnet verlassen derzeit 16000 Container mit Chemieprodukten das Werk Richtung Nordsee. Ihnen stehen lediglich 2500 gegenüber, die Rohstoffe, insbesondere Silizium, ins Werk bringen.

Grundsätzlich steht das Terminal allen Unternehmen offen. Schließlich ist es ja auch vor allem mit Steuergeldern gebaut worden. Doch in der Praxis scheitert der Bahntransport oft. So hätte der Online-Möbelbetrieb Möbel-Eins aus Unterneukirchen gern 100 Container, die er von Hamburg über München bezieht, über das Terminal abgewickelt. "Vor 2016 geht gar nichts", lautete laut Inhaber Kurt Blüml die Absage.

Dazu erläutert Wilhelm Schönhuber: "Ich muss da ein Missverständnis klären. Wir betreiben ein Terminal. Geeignete Verbindungen und die Logistik dafür zu finden ist Aufgabe von Operateuren, von denen es in Europa rund hundert gibt. " Anton Steinberger ergänzt: "Das Terminal ist keine Postannahmestelle. Hier werden Komplettzüge zusammengestellt, die dann einen Bahnhof anfahren." Für den Mittelständler bedeutet das: Er kann das Terminal dann nutzen, wenn er ins Programm der festen Routen passt. Dabei wird das Angebot größer und damit nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch interessant für Mittelständler. Langfristig soll es schließlich auch Verbindungen zu den Südhäfen geben. Die Gleise dafür sind laut Schönhuber da, über das Drehkreuz Villach wäre der Transport jederzeit möglich. Aber wie gesagt: Solchen Linienbetrieb wird es nur geben, wenn ganze Züge dafür zusammenkommen.

Wie Bürgermeister Hans Steindl zudem herausstellt, werde die stadteigene Beteiligungsgesellschaft WiBG im Herbst weiteren Wald vom Staat erwerben. Der Preis sei bereits verhandelt. Die Flächen bleiben im Eigentum der Stadt, werden an hier tätige Dienstleister verpachtet.

Parallel zu der von der Regio Invest betriebenen Erweiterung will auch der Betreiber KTB das Lager vergrößern. Bis zu 600 leere Container lagern schon jetzt auf der Fläche. Das Gelände kann hier noch in Richtung Westen verlängert werden. Im Boden sind auch bereits die Fundamente, damit hier an Stelle der jetzigen schweren Hubfahrzeuge ein weiterer Portalkran die Container bewegen könnte. Damit würde auch Platz gewonnen, weil die Fahrgassen für die Schwerfahrzeuge wegfallen, die derzeit die Container bewegen. Nach dem Ausbau könnten hier bis zu 850 Container mit sechs Metern Länge gelagert werden.

KTB bedient auch das Wacker-Werksgelände
Was die wenigsten wissen: KTB hat auch den gesamten Transport aus und ins Wacker-Werksgelände übernommen. Dass die Umstellung von einem Tag auf den anderen reibungslos funktioniert habe, darauf ist Wilhelm Schönhuber besonders stolz. Er erinnert sich: "Es war eine gewaltige Herausforderung: Innerhalb von vier Wochen mussten wir dafür die Logistik auf die Beine stellen. Wir waren nahezu rund um die Uhr tätig. 50 Chassis zur Aufnahme der Container und zehn Zugmaschinen mussten in dieser kurzen Spanne akquiriert werden. "Hersteller Fliegl half uns dabei sehr, und dank unserem Einsatz wurden wir bei Wacker der ’Spediteur des Jahres 2014’", blickt Schönhuber zurück. Und Hersteller Chiavetta aus Sizilien hat für Burghausen sogar ein eigenes System entwickelt, mit dem der Container auf dem Auflieger in Längsrichtung bewegt werden kann. Der Hintergrund: Silizium ist sehr schwer, beladene Container wiegen schon mal 32 Tonnen. Mit der optimalen Lage wird erreicht, dass die zulässigen Achslasten nicht überschritten werden.

Der von Wacker ausgelagerte Transport läuft so: KTB-Mitarbeiter fahren über die vollautomatische Nordpforte von und ins Werk und holen die geladenen Container an den jeweiligen Betrieben ab. Diese Zusatzleistung ist Teil einer weiter gefassten Strategie. "Der offizielle Name Güterverkehrszentrum kommt ja auch daher, dass wir weitere Leistungen wie Containerdienste am Standort betreiben wollen, um die Rentabilität zu erhöhen", stellt Anton Steinberger heraus. Die Preise für die Hübe allein wären zu gering, da hätte sich kein Betreiber gefunden. Erst das Gesamtpaket ermögliche ein gut laufendes Terminal.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 13.06.2015 -Wetzl/Foto: Wetzl

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