Veranstaltungssuche
Ticket shop

Aktuelles

Was gibt es Neues in Burghausen?

Ein Feuer, das niemals wieder erlischt

"Kampf um Marienberg" schweißt die Menschen zusammen und war ein riesiger Erfolg

Am Ende von spannenden zwei Jahren und faszinierend schönen vier Wochen "Kampf um Marienberg" saßen die fünf Organisatoren zusammen und strahlten über das ganze Gesicht. "Es ist eine unglaublich tolle Gemeinschaft entstanden, die zusammenhält wie Pech und Schwefel. Wirklich jeder hat immer geschaut, wo es noch etwas zu tun gibt und hat dann einfach angepackt", schwärmt Stefan Bürgermeister ob dieses packenden Gemeinschaftserlebnisses. Er und seine Freude vom Produktionsteam können das, was sie für sich mitnehmen werden, gar nicht in Worte fassen. Andreas Messmer, Tobias Winterstetter, Sepp Weindl und Konrad Helmberger haben Mut bewiesen und dieser wurde belohnt.

Und wie! Normalerweise sind kulturelle Veranstaltungen oft ein Draufzahlgeschäft. Nicht so der "Kampf um Marienberg". Hier entstand nach der Premiere eine Dynamik in der Bevölkerung Burghausens, die ihresgleichen suchte. Schon mit der vorletzten Vorstellung rutschte das Projekt in Richtung schwarze Null. Dennoch freuen sich alle, dass die Stadt Burghausen so hinter der Idee der Neuauflage stand. Zuletzt wurde das Freilichtspiel vor neun Jahren aufgeführt. Einige der Laiendarsteller waren damals schon dabei und waren von diesem Jahr total begeistert.

Das Besondere an den intensiven Proben- und Spieltagen war, dass die kleinen Orte Raitenhaslach und Marienberg wieder ein Stück enger zusammenrückten. "Da haben sich Leute getroffen, die sich vorher nicht kannten. Und das, obwohl sie schon immer hier wohnen. Das hat alle noch enger zusammengebracht", erzählt Frank Wagenhofer alias Kronprinz Ludwig. Das ganze Dorf befand sich im Ausnahmezustand. Jeder half mit, fühlte sich als Teil des Ganzen. So stand zum Beispiel die frühere Schreinerei "Kraus" als Maske und Umkleide zur Verfügung. Manche boten Schauspieler ihre Häuser als Schlafmöglichkeit an und das alles war von einer Produktion getragen, die weit über Burghausens Grenzen Bekanntheit erlangte.

Die Faszination des Stückes erwuchs aus der Feder von Regisseurin und Autorin Lisa Hanöffner. Ihr war die Erleichterung über alles Gelungene jedes Mal ein Stück mehr anzumerken. Am vorletzten Abend dirigierte sie sogar die Georgsbläser. Ihre Erleichterung und die Freude über das Erreichte war förmlich greifbar: "Alle haben hier auf einem solch hohen Niveau gespielt. Unglaublich. Sie haben niemals nachgelassen." Die Darsteller brachten ihre Ideen da und dort ein. Lisa Hanöffner begeisterte dies immens, weil die Figuren ein echtes Eigenleben entwickelten. Die Männer gingen sogar dermaßen in ihren Rollen auf, dass sie sich ihre Bärte wachsen ließen. Nach dem letzten "Vorhang" kam es zum kollektiven Bartrasieren.

Der verdiente Lohn stellte sich in Form eines stets ausverkaufen Hauses und begeisterten Zuschauern ein. "Es hat sich ein regelrechter Run auf die Karten entwickelt. Wir hatten echte Fans, die mehrmals live dabei waren", staunte Mitorganisator Sepp Weindl. Richtig amüsant wurde es, als manche "Kampf um Marienberg"-Anhänger sich als Text-Experten entpuppten. Vor allem der penetrante "Punkt", den der Schreiber Schmiedl (Pascal Reichelt), der Meister der Lachsalven, verbal immer wieder seinem Grafen und Chef Armannsperg hinterherschickte, als sich dieser mit den Gründen für den Abriss der Kirche herumschlug.

Lisa Hanöffner ist es gelungen, ein wunderbares Menü aus Ernsthaftigkeit, Geschichte, Leidenschaft und Humor zu zaubern. Einen extrem wertvollen Part hatte Regieassistenten Margret Tress inne. "Sie ist eine Perle. Wir verstehen uns prächtig", hielt die Autorin mit Lob nicht hinter dem Berg. Gleiches galt für das Organisationsteam, das sich begeistert zeigte von den Technikern der Stadt. Sie leuchteten perfekt aus und schafften es, mehr als 17 Mikrofone optimal auszusteuern.

Wie schon vor neun Jahren ließen es sich die echten Grafen von Armannsperg nicht nehmen, sich die Neufassung des Kampfes um Marienberg anzusehen. Franz und Ludwig sind die Nachfahren des nicht wirklich geliebten Lokalkommissärs, dem Mann zwischen allen Stühlen. Sie erzählten davon, dass ihr Vorfahre wirklich einen Sohn hatte, der im Russlandfeldzug fiel. Im Stück schickt Vater Armannsperg seinen Sprössling in den Krieg, weil er sich für die Kirche einsetzte und gewann.

Der Wettergott meinte es auch gut und so fiel nur die dritte Vorstellung ins Wasser. "Vielleicht war es gar nicht schlecht. Alle waren wirklich sehr angestrengt von den zehn Tagen, die wir praktisch durchgemacht haben. Das war ein guter Tag, um durchatmen zu können", sagt Lisa Hanöffner. Anstatt daheim zu bleiben aber kamen alle Darsteller, um zu feiern. Eine gewisse Renitenz ist dem "Bergvolk" hoch über Raitenhaslach also bis heute geblieben.

Der Kampf um Marienberg hat so viele wunderbare Nuancen und Seitenblicke geliefert. Vor allem aber eine Erkenntnis: Es ist beeindruckend, was Menschen, die etwas gerne machen, zu leisten im Stande sind. Alles geschah neben Schule, Arbeit und Familie. Deshalb gilt allen mehr als 120 Mitwirkenden und Helfern ein großer Dank für diese einmalige Zeit. Sie haben ein Feuer des Zusammenhalts entfacht, das in den Herzen für immer lodern wird.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 29.06.2015, Foto: Kai

loading
Dummy Loading ...
MENÜ