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Fumel und Burghausen 40-jährige Partnerschaft

Fumel und Burghausen feiern heuer das 40-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft – Ein Rückblick auf die Anfänge

"Jumelage" nennen sie die Städtepartnerschaft in Frankreich, die Fumel mit Burghausen verbindet. "Jumelage", das ist mehr als eine Partnerschaft: eine "Zwillingsschaft", etwas, das untrennbar zusammen gehört. Seit 40 Jahren besteht diese Partnerschaft der beiden sehr ungleichen Städte im Süden Frankreichs und im Süden Deutschlands.

Ihren Beginn nahm die Partnerschaft durch Zufall: Das kleine französische Fumel hatte sich auf die Suche nach einer Partnerstadt begeben und bekam vom Konsulat eine Liste mit Möglichkeiten. Burghausen stand auch auf dieser Liste und so fuhren 1972 der Bürgermeister von Fumel, Dr. Paul Mauvezin, und sein Stellvertreter, Dr. Claude Rücker, in die schöne Salzachstadt – und waren sofort überzeugt. Doch der Burghauser Bürgermeister Georg Miesgang war nicht recht interessiert: Fumel war klein und richtig viel

Verständigung ohne ein Wort Französisch

los war dort auch nicht. Die Franzosen aber gaben nicht auf. Sie schlossen sich mit vier umliegenden Gemeinden zu einer "Agglomération Fumeloise" zusammen, um auf mehr Einwohner zu kommen, und stellten einen offiziellen Antrag auf eine Jumelage mit Burghausen. Weil aber Miesgang immer noch keine besondere Eile an den Tag legte, ergriff Siegfried Hollstein, Redakteur des Burghauser Anzeigers, die Initiative, und reiste im April 1974 nach Fumel. Wieder daheim berichtete er ausführlich über die Schönheit der südfranzösischen Landschaft und die Gastfreundschaft der Bewohner. Die Neugierde der Burghauser war geweckt.

In Fumel hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon ein Partnerschaftskommitee zusammengeschlossen, dem auch ein Redakteur der dortigen Lokalzeitung angehörte. Dieser berichtete seinerseits eifrig über das schöne Burghausen. Als dann auch noch der damalige Burghauser Fremdenverkehrsreferent nach Fumel reiste und anschließend die Partnerschaft vorantrieb, war es fast besiegelt: Auch der Stadtrat beschloss die Gründung eines Partnerschaftskommitees.

Ostern 1975 machte sich Bürgermeister Miesgang zusammen mit einer Abordnung von Stadtrat, Verwaltung, Mitgliedern der Herzogstadt, Schülern und weiteren Bürgern auf den Weg nach Fumel. Bei offiziellen Empfängen in den fünf Gemeinden wurde die Jumelage besiegelt. Im Juli fand der offizielle Festakt in Burghausen statt – die Partnerschaft war geboren.

Seitdem fahren immer wieder Reisegruppen aus Burghausen nach Fumel und die Franzosen kommen zur Mai-Wies‘n oder einfach so zu Besuch, der Städtepartnerschaftsverein treibt die lebendige Partnerschaft voran. "Wenn man mit dem Bus in Fumel ankommt, dann wird man erst einmal richtig empfangen", erklärt Altbürgermeister Fritz Harrer, der von Anfang an bei der Entwicklung der Städtepartnerschaft mitgewirkt hat. "Mit Küsschen links und rechts. Und in Fumel wird gleich vier mal geküsst", lacht Harrer. Wenn Burghauser nach Fumel kommen, ist die Aufregung groß. "Es kommen immer gleich alle zusammen zur Begrüßung", beschreibt Bartl Lehrhuber, Zweiter Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins, die Herzlichkeit der Franzosen dort. Sprachliche Barrieren sind dabei nie ein Hindernis: "Ich kann kein Wort Französisch, aber das geht immer, mit Händen und Füßen", sagt Lehrhuber und lacht.

Völkerverständigung geht eben auch ohne Worte. Die Burghauser Schüler sollen aber ruhig ein wenig Französisch lernen: Deshalb gibt es im Zwei-Jahres-Turnus einen Schüleraustausch. Auch Praktika in Burghausen wurden schon vermittelt.

Das hat allerdings einen weniger schönen Hintergrund: Anders als Burghausen floriert der Städte-Zwilling nicht; es gibt keine gute Verkehrsanbindung, die Fabrik musste schließen. "Fumel hat keine Anziehungskraft für Jugendliche", erklärt Harrer. Das mache es auch schwierig, die Partnerschaft weiterzuentwickeln. Doch auch hier hat die Städteverbindung schon ihren Beitrag geleistet: Praktika oder Arbeitsstellen wurden vermittelt, der ein oder andere Franzose hat sich gar in der Region fest angesiedelt.

Die Jumelage soll mit den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen verfestigt werden. Den Auftakt macht dabei das Konzert von Maria Bill, die französische Chansons singt, am 6. Februar. Zudem wird es im Frühjahr einige französische Kinoabende geben. Auch ein Schüleraustausch steht an: Im Juni fährt das Aventinus-Gymnasium nach Fumel. Im Sommer wird bei der

Programm für das Jubiläumsjahr

Musik am Wasserplatz im Stadtpark auch französisische Musik zu hören sein, ganz im Zeichen der 40-Jahr-Feier. Ein Höhepunkt wird natürlich der Besuch der Burghauser in Fumel: Neben den Vertretern der Städepartnerschaft werden auch der Bürgermeister, Stadträte, die Bigband des Kumax-Gymnasiums und – wenn noch Plätze frei sind – auch interessierte Bürger im Bus nach Fumel fahren.

Im September kommen die Fumeler mit großer Abordnung zum Gegenbesuch in die Salzachstadt. Der Herbst beschließt dann mit dem traditionellen Pétanque-Turnier und einer Bilderausstellung im Rathaus mit Bildern von Künstlern aus allen vier Partnerstädten und aus Burghausen.

Der Städtepartnerschaftsverein mit Vorstand Uwe Kersten hat alles bereits geplant. Am Ende soll aber vor allem für eines Platz sein: für Begegnung. Da sollen die Burghauser, die noch nie in Fumel waren, ruhig auf den lebhaften Wochenmarkt gehen, wo die "Hendl rumlaufen", wie es Fritz Harrer beschreibt, und sich das halbe Dorf trifft. Dann wird sie greifbar, die "Zwillingsschaft" der Städte.

1975 wurde die Städtepartnerschaft besiegelt unter dem damaligen Bürgermeister aus Fumel, Dr. Paul Mauvezin , und Georg Miesgang.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 02.02.2015 von Christina Schönstetter

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