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Der Tag, an dem die Mauer fiel

Gedenkfeier an der "Mauer" im Stadtpark: Gestern vor 25 Jahren öffnete sich die DDR-Grenze – Burghauser erinnern sich an eigene Erlebnisse

Vor einem Vierteljahrhundert haben sich die Grenzen der DDR geöffnet. Am Sonntag wurde dieser historische Tag in Burghausen ebenso gefeiert wie im Rest Deutschlands. Vor den Originalstücken der Berliner Mauer, die 2005 im Stadtpark aufgestellt worden sind, versammelten sich neben Bürgermeister Hans Steindl und Mitgliedern des Stadtrats auch zahlreiche interessierte Bürger der Stadt. Nicht nur der Bürgermeister, sondern auch Pfarrer Torsten Fecke, Dr. Klaus Ulm vom Burghauser Städtepartnerschaftsverein und die Krankenschwester Silke Heschel erzählten ihre persönlichen Erinnerungen an die DDR. Die Schüler des Aventinus-Gymnasiums und des Lessing-Gymnasiums aus dem sächsischen Hohenstein-Ernstthal hatten verschiedene Einlagen vorbereitet.

Einer, der die DDR nicht nur vom Hören-Sagen kennt, sondern auch selbst erlebt hat, ist Bürgermeister Steindl. Acht bis neun Mal im Jahr ist er ab 1981 in den deutschen Osten gereist – damals noch in seiner Funktion als Sportlehrer am Aventinus-Gymnasium. "Die Schüler wurden beim Grenzübergang immer bevorzugt behandelt", erzählt Steindl. Durchsucht wurden sie im Gegensatz zu den meisten anderen nicht: Schließlich habe man den sozialistischen Staat vor den West-Schülern entsprechend repräsentieren wollen.

Viel und vor allem viel Spannendes hat der Bürgermeister auf den Reisen hinter die Mauer erlebt. Besonders erinnert er sich an die Betriebe: "Man wusste schon damals, das ist unwirtschaftlich." Bis 1987 hätten Schüler aus der DDR noch erzählt, die Mauer müsse vor Angriffen geschützt werden, erzählte Steindl. "Danach wirkten sie dann aber nicht mehr so überzeugt." Die Montagsdemonstrationen, sagte er, seien die natürliche Folge der Unzufriedenheit gewesen.

Kam Steindl mit seinen Schülern noch mit verhältnismäßig viel Komfort über die Ost-Grenze, so musste Torsten Fecker, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche Burghausen, eine härtere Behandlung über sich ergehen lassen. Auf dem Weg "nach drüben" nahm er zwei Tramper mit. Dass die beiden einen südafrikanischen, bzw. chilenischen Pass hatten, erfuhr er erst am Grenzübergang. Prompt musste der voll bepackte VW-Bus ausgeräumt werden. "Besonders schön war daran, dass es in Strömen geregnet hat", erinnert sich Fecke. Nicht zuletzt wegen dieses Erlebnisses sei er danach immer mit einem mulmigen Gefühl gen Osten gefahren.

Ihr Gutes hatte die Grenzöffnung nicht nur im Großen: Durch sie kam Burghausen zu einer Partnerschaft mit der sächsischen Stadt Hohenstein-Ernstthal, dem Geburtsort von Karl May, erzählte Dr. Klaus Ulm vom Burghauser Städtepartnerschaftsverein. Anlässlich der Feier im Stadtpark waren daher nicht nur Schüler des Aventinus-Gymnasiums, sondern auch des Hohenstein-Ernstthaler Lessing-Gymnasiums anwesend. Sie hatten einige Vorführungen vorbereitet, die die Gemeinschaft zwischen Ost und West verdeutlichen sollten. Zum Beispiel wurde vor und hinter den Mauerstücken Volleyball gespielt – als Grenze wurde die dreieinhalb Meter hohe Wand dabei nicht anerkannt.

Für viel Gelächter sorgte die "Klagemauer", bestehend aus Schülern, die bis zu den Knien in braunen Papiertüten steckten. In diese Mauer wurden auf Zetteln teils ironische, teils lustige Wünsche gesteckt: Unter anderem im Namen von Hans Steindl, der nicht nur die Ost-West-Grenze überwinden, sondern auch endlich "in den Süden" wollte. Eine "malerische" Einlage kam vom sächsischen Künstler Klaus Kux: Da er nicht auf die echte Mauer malen durfte, begnügte er sich mit Papier.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 10.11.2014 von Lena Huttner

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