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Zwischen Abschied und Auszeit

Sechs scheidende Stadträte verabschiedet – Steindl: "Demokratie braucht solche Persönlichkeiten"

Im feierlichen Rahmen verabschiedete Bürgermeister Hans Steindl die scheidenden Stadträte Fini Neumayer, Bernhard Harrer (kleine Bilder v.l.) Friederike Stückler, Klaus Schultheiß, Werner Jedlitschka und Otto Becker. − Fotos: Eschenfelder/red


"Es tut mir in der Seele weh", gestand Fini Neumayer ein. Aber im Alter von 82 Jahren und nach 24 Jahren Stadtratstätigkeit war es einfach Zeit, Schluss zu machen. Doch sie war nicht die einzige, die aus dem Stadtrat ausscheidet. Bürgermeister Hans Steindl, die amtierenden Stadträte sowie die Abteilungsleiter der Stadtverwaltung sagten im Alm-Stadl der Bayerischen Alm sechs Mitgliedern leise Servus: Fini Neumayer (24 Jahre Stadträtin), Bernhard Harrer (18 Jahre), Werner Jedlitschka (18 Jahre), Friederike Stückler (10 Jahre), Klaus Schultheiß (6 Jahre) und Otto Becker (sechs Monate).

Bei den meisten überwiegt – nach der ersten Enttäuschung – inzwischen die Erleichterung: "Ich bin nicht mehr so fremdbestimmt. Ich habe die Möglichkeit, meine Lebenszeit neu einzuteilen. Das ist auch viel wert", sagte zum Beispiel Werner Jedlitschka stellvertretend für alle.

Denn das Amt bringt nicht nur Ehre, sondern auch viel Arbeit mit sich, wie Bürgermeister Steindl in seiner Rede betonte: "So ein Stadtrat hat im Jahr 30 bis 40 Pflichtsitzungen. Hinzu kommen die Veranstaltungen der Stadt und der Vereine sowie noch viele andere Termine. Da ist man im Jahr ganz schön unterwegs." Immer im Sinne der Stadt und des Gemeinwohls. Das erfordere ein großes Engagement. "Mehr als mal schnell einen Leserbrief zu schreiben", wie Steindl betonte: "Demokratie braucht solche Persönlichkeiten, die sich zur Wahl stellen und so ein Amt auf längere Zeit übernehmen."

Daher, so Steindl, seien auch alle aufgefordert, wieder junge Bürger an die Kommunalpolitik heranzuführen. Es brauche weniger Seniorengremien, sondern eher wieder ein super Jugendparlament. "Denn", so Steindl selbstkritisch, "wir sind schon ein Seniorengremium."

Steindl würdigte jedes scheidende Mitglied und dankte für die gute Zusammenarbeit. "Auch wenn wir manchen Strauß ausgefochten haben", wie Steindl etwa zu Bernhard Harrer sagte. Fini Neumeier sei der Idealtypus eines Stadtrats gewesen und eine wichtige Meinungszubringerin. "Bernhard Harrer war einer der fleißigsten Stadträte und ein sehr aufmerksamer Rechnungsprüfer", so Steindl. Werner Jedlitschka war eine "wichtige Antenne nach außen" und zur Jugend. Friederike Stückler habe immer einen Blick für die bauliche Entwicklung gehabt und "wichtige, kritische Positionen" bezogen. Klaus Schultheiß habe die Idee für die bauliche Verdichtung geboren und darauf hingearbeitet, dass Burghausen das Traumziel von 20000 Einwohnern erreiche. Otto Becker liefere seit Jahrzehnten wichtige Infos über die Stimmung in den Kreiskliniken.

Auch wenn über dem Abend Abschied stand – für manchen kann es einfach nur eine Auszeit sein. Bernhard Harrer ist immerhin erster Nachrücker bei der CSU und Klaus Schultheiß zweiter bei der SPD. "In den sechs Jahren kann viel passieren", so Steindl. Vor allem Schultheiß möchte er schon jetzt weiter in wichtigen städtischen Gremien halten. "Wir brauchen Mittelständler, die in der Stadtpolitik mitwirken." Entsprechende Gespräche werden schon mit den Fraktionen geführt.

So war es ein bewegter Abend im Kreise der langjährigen Kollegen und Mitstreiter. Es wurde über Parteigrenzen hinweg geplaudert, ein wenig politisiert und in Erinnerungen geschwelgt. Im Groll ging keiner. Die scheidenden Stadträte freuten sich über die Abschiedsgeschenke – Burghausen-Bilder von Künstlern aus der Umgebung und der Burghauser Burggeist – und auf ihren neuen Lebensabschnitt mit weniger Kommunalpolitik, dafür aber mit mehr Zeit für Hobbys, Freunde und Familie. 

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 26.04.2014/-jes

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