Veranstaltungssuche
Ticket shop

Millionen bewegen und am Boden bleiben

Fritz Schwabenbauer war gern Stadtkämmerer – Jetzt will er den Duft der großen weiten Welt erleben

In der vergangenen Sitzung des Stadtrats würdigte Bürgermeister Hans Steindl die 46 Jahre Arbeit von Fritz Schwabenbauer.


Am 8. Mai jährt sich einmal mehr das Ende des Zweiten Weltkriegs. Wenn an diesem Tag Fritz Schwabenbauer zum letzten Mal als Kämmerer ins Rathaus kommt, hat die zurückliegende Zeit für ihn ganz und gar nichts mit Kampf und schlimmen Erinnerungen zu tun. Ganz im Gegenteil: Er blickt gern zurück auf seine 46 Berufsjahre im Öffentlichen Dienst. "Die Arbeit habe ich immer gern gemacht und mit meinen Kollegen habe ich mich immer bestens verstanden", erzählt er.

Fritz Schwabenbauer gilt in der Stadtverwaltung als absolut zuverlässig und kompetent. Bürgermeister Hans Steindl nannte ihn nicht ohne Grund bei der Verabschiedung in der vergangenen Stadtratssitzung "ein Musterbeispiel an Loyalität und Zuverlässigkeit" – Eigenschaften, die bei einem Kämmerer wichtig sind. Gerade in einer finanzkräftigen Stadt, in der ein Kämmerer mit Millionen von Euros umgeht, sind Verantwortungsbewusstsein, Integrität und Sorgfalt wesentliche Voraussetzungen für dieses Amt. Apropos Amt – Fritz Schwabenbauer war immer Angestellter. Das ist unüblich. Normalerweise ist der Kämmerer Beamter.

Die Zuverlässigkeit und gute Arbeit Schwabenbauers war für die Beschäftigten der Stadtverwaltung schon fast selbstverständlich. Sie werden ihren Kämmerer wegen eines anderen Markenzeichens in bester Erinnerung behalten. Schwabenbauer liebt den guten Duft, kam immer gut gekleidet und mit einer duftenden Aura ins Büro. Seine Vorlieben für Parfums konnte er gerade in der Kämmerei gut zur Wirkung bringen, war er doch der einzige Mann in der achtköpfigen Abteilung.

Fritz Schwabenbauer ist einer der wenigen Burghauser, die noch im alten Krankenhaus am Platzl zur Welt gekommen sind. Sein Vater war Fischermeister in Raitenhaslach, die Familie lebte in einer Wohnung im Kloster und später in Pirach. Von dort fuhr der junge Fritz täglich mit dem Radl zur Handelsschule nach Burghausen. Auslöser, dass er sich danach für eine Stelle in der Gemeinde Raitenhaslach und gegen eine Banklehre entschieden hat, war einmal die Nähe und Verbundenheit zur Heimat, aber auch eine persönliche Stilfrage. "Ich habe nie gern Krawatten getragen, das hätte ich in einer Bank natürlich tun müssen."

Einen Scheck über 14 Mio in der Hand

Seine Entscheidung hat er nie bereut. In der kleinen Verwaltung Raitenhaslach war die Arbeit naturgemäß vielfältiger. "Da bin ich von der Fortbildung in Wasserburg abends heimgefahren, um Bürgern beim Erstellen des Sozialhilfeantrags zu helfen", erinnert er sich. Dann folgte mit der Eingemeindung nach Burghausen im Jahr 1978 die Umstellung auf neue Dimensionen. Schwabenbauer erzählt: "In Raitenhaslach hatten wir einen Haushalt von eineinhalb Millionen Mark und dann bekam ich in Burghausen einen Scheck über 14 Millionen Mark vom Hauptsteuerzahler in die Hand. Da muss man erst einmal schlucken."

1986 wurde Fritz Schwabenbauer stellvertretender Kämmerer und 2004 dann Kämmerer und Nachfolger von Horst Berreiter. Um diese Arbeit machen zu können, nennt er es wichtig, über die Ratssitzungen Bescheid zu wissen. "Ich habe viele Protokolle gelesen", sagt er. Der Kämmerer muss vor allem auch gut eingearbeitet sein. Er ist bei den Notariatsterminen dabei, und kennt im Detail Stärken und Schwachstellen der Stadt und ihrer Liegenschaften.

Um mit der Finanzplanung einigermaßen sicher zu liegen, hält der Kämmerer seit Jahren schon engsten Kontakt mit den wichtigsten Steuerzahlern. Denn nur so kann er sicher gehen, dass es nicht plötzlich eine böse Überraschung gibt. Ein gutes Gespür hatte er auch. Früher als andere ahnte er die zurückliegende Finanzkrise. Auf seinen Rat hin beendete die Stadt ihre bis dahin lukrative Anlage von Rücklagen im Salzachfonds. Danach fielen die Papiere drastisch.

BegeisterterFußballspieler

Fritz Schwabenbauer hat zwei Töchter, die beide in Burghausen leben und ihm viel Freude bereiten. In den Grüben hat er eine kleine Wohnung, ansonsten lebt er mit seiner Partnerin in der Neustadt und hat für den Ruhestand schon einige gemeinsame Pläne: "Wir wollen mehr als bisher reisen und Motorrad fahren." Schwabenbauer hat eine 600er Honda Hornet. Auch seine Sprachkenntnisse will Schwabenbauer nun im Ruhestand verbessern, was wiederum fürs Reisen förderlich ist.

Nicht nur sein äußeres Erscheinungsbild ist stets gut gepflegt. Mit eiserner Disziplin hält er auch seinen Körper in Schwung, macht täglich Gymnastik. Bis vor wenigen Jahren hat er noch Fußball gespielt und hält sich seither im Kraftraum, mit Schwimmen, Radfahren und Bergwandern fit. Was Schwabenbauer nicht mag sind wehleidige Leute, die immer eine Ausrede finden, um sich nicht anstrengen zu müssen. Seinen Kollegen wünscht er für die Zukunft gegenseitige Achtung und ein gutes Miteinander.

Diese werden sich gern an ihn erinnern und nicht nur sie. Bürgermeister Steindl bescheinigte Schwabenbauer bei der Verabschiedung auch: "Wir haben uns eigentlich nie richtig gestritten." Er nannte ihn zudem einen "Pragmatiker, der auch Verhandlungen führen konnte".

Nachfolgerin Schwabenbauers ist Ursula Hauser. Sie kennt die Burghauser Finanzverältnisse bestens. Seit 1984 ist die Beamtin in städtischen Dienstag und seit zehn Jahren stellvertretende Kämmerin.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 16.04.2014/ Rainer Wetzl−Fotos: Wetzl

Umgeben von Akten – so sieht die tägliche Arbeit des Kämmerers aus. Fritz Schwabenbauer wird am 8. Mai seinen Arbeitsplatz räumen, offiziell scheidet er zum 1. Juni aus.


Ursula Hauser ist ab Juni neue Kämmerin und für Burghausens Finanzen zuständig.


loading
Dummy Loading ...
MENÜ