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„KombiTerminal Burghausen“

Möglichkeiten für Güterverkehr über Hafen Venedig werden ausgelotet

Erster Kontakt zwischen den Logistik-Verantwortlichen des Chemiedreiecks und der Hafenbehörde Venedig – Mengenaufkommen und Kostenvorteile müssen abgeklärt werden

Burghausen, 28. Januar 2014 – Die Anbindung an das europäische KV-Terminal-Netzwerk und der Ausbau der direkten Verbindungen des Bayerischen Chemiedreiecks an die deutschen und europäischen Seehäfen ist eine der Zielsetzungen für das Burghauser Güterterminal: Erste Gespräche mit Vertretern des Hafens Venedig sowie Logistik-Verantwortlichen der großen Chemiedreiecks-Standorte loteten nun Möglichkeiten für die Anbindung des Terminals und die Verladung der Frachten über den Hafen Venedig/Marghera aus.

In Burghausen, wirtschaftlicher Schwerpunkt des bayerischen Chemiedreiecks, wird derzeit ein neues öffentliches Terminal für den kombinierten Verkehr errichtet, das Investitionsvolumen beträgt rund 30 Millionen Euro. Ein Konsortium aus der DB Schenker BTT, der Deutschen Umschlagsgesellschaft Schiene-Straße (DUSS) und der Karl Schmidt Spedition wird das „KombiTerminal Burghausen GmbH (KTB) ab Juni 2014 betreiben. Das Konsortium erwartet „hohe Wachstumsraten“ und verfolgt mit dem KTB das Ziel einer direkten Anbindung des Chemiedreiecks an die deutschen und europäischen Seehäfen wie z. B. Hamburg und Rotterdam. Um zusätzliche Möglichkeiten für die Container-Verschiffung über den Hafen Venedig zu diskutieren, stellten Anton Steinberger, Geschäftsführer der Terminal-Bauherrin RegioInvest Inn-Salzach sowie KTB-Geschäftsführer Berthold Jesse einen ersten direkten Kontakt zwischen der Hafenbehörde Venedig und den Logistik-Verantwortlichen der Chemiedreiecks-Standorte der Wacker Chemie AG in Burghausen und des Industrieparks Werk Gendorf/Burgkirchen sowie des Logistikzentrums Prien (LKZ) her.

„Bei diesen ersten Gesprächen ging es vor allem darum, die Anforderungen der Industrieim Chemiedreieck und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu ermitteln“, so AntonSteinberger von der RegioInvest. Alessandro Marino, Geschäftsführer der italienischenHandelskammer in München, hatte dazu die Geschäftsführerin der Hafenbehörde vonVenedig, Claudia Marcolin, sowie zwei Vertreter der italienischen TerminalbetreiberfirmaTransped S.p.A. nach Burghausen begleitet.

Fünf Tage Zeitersparnis über die Adria
„Ein großer Teil der Chemiedreiecks-Produkte geht Richtung Asien und könnte über Häfenin der oberen Adria versendet werden“, erklärt KTB-Geschäftsführer Berthold Jesse.Steinberger ergänzt: „Man könnte bei einem Transport nach Asien, z. B. überVenedig/Marghera oder andere Adria-Häfen wie Triest, Ravenna, Koper oder Rijeka unddann durch den Suez-Kanal fünf Tage Schiffsfahrt gegenüber dem Seeweg über Rotterdameinsparen.“ Die genannten Adria-Häfen gehören zu einer gemeinsamen europäischenLogistik-Plattform, dem so genannten Verband der Nord-Adria-Häfen (NAPA). Ziel der fünfNAPA-Häfen ist es, gemeinsam eine europäische Logistik-Plattform zu bilden und ihreDienstleistungen auf den Märkten in Asien sowie in Zentral- und Osteuropa besser bekanntzu machen. So wollen sie sich als Alternative zu den europäischen West- und Nordhäfenprofilieren.

Zudem engagieren sich die NAPA-Häfen für die koordinierte Errichtung bzw. Verbesserungder „Hinterland“-Verbindungen. Als „Hinterland“ im positiven Sinne sehen die NAPA-Häfenlaut Claudia Marcolin von der Hafenbehörde Venedig den wirtschaftlich starken NordostenItaliens sowie Österreich und Bayern. Das Burghauser Güterterminal sei daher alssüdlichstes Terminal Deutschlands „besonders interessant“ für die Adria-Häfen, soMarcolin. Die Bahn-Anbindung könne über den Knoten Villach auf der Tauern-Bahnachseverlaufen, die laut Alessandro Marino erst zu 40 Prozent ausgelastet sei und derzeit weitermassiv ausgebaut werde. Der Terminal des Hafens Marghera bei Venedig habe eine lange Tradition als Chemie-Umschlagplatz und biete daher auch die entsprechende Infrastruktur und das Knowhow um chemische Produkte zu handeln, so Marino. Zudem stünden dort noch genügend freie Flächen zur Verfügung, auf denen deutsche Firmen eigene Logistikstrukturen aufbauen könnten.

Nun müssten laut KTB-Geschäftsführer Jesse die Mengen-Potentiale ermittelt werden, ob genügend chemische und konventionelle Güter aus der Region im Chemiedreieck zusammenkommen könnten, damit sich eine Kooperation zwischen dem Burghauser Terminal und dem Hafen Venedig rentiere. Allein die Mengen der Chemieindustrie seien nicht ausreichend, man gehe aber davon aus, dass es in der Region genügend Güter gebe. An die 100 Container pro Woche könnten derzeit Richtung Venedig geschickt werden, „50 bis 60 Prozent davon müssten aber für einen wirtschaftlichen Betrieb auch wieder beladen zurückkommen“, ergänzt Anton Steinberger.

Nun warten KTB und RegioInvest ein konkretes Kooperations-Angebot des Hafens Venedig ab. Man stehe dabei nicht unter Zeitdruck, so Jesse und Steinberger. Letzterer würde die Anbindung des Burghauser Terminals an den Nordosten Italiens mit seinen Häfen generell aber als „zukunftsträchtige Verbindung von zwei sehr potenten Wirtschaftsräumen“ ansehen.

Über das Kombi Terminal Burghausen (KTB)
In Burghausen/Landkreis Altötting, wirtschaftlicher Schwerpunkt des „Bayerischen Chemiedreiecks“, wird seit 2012 ein neues öffentliches Terminal für den kombinierten Verkehr errichtet, das Investitionsvolumen beträgt rund 30 Millionen Euro. Ein Konsortium, bestehend aus der DB Schenker BTT, der Deutschen Umschlagsgesellschaft Schiene-Straße (DUSS) und der Karl Schmidt Spedition, wird das „KombiTerminal Burghausen GmbH (KTB) betreiben. Das Terminal in Burghausen soll nach seiner Inbetriebnahme im Frühsommer 2014 nicht nur den Kunden aus der benachbarten Chemieindustrie, sondern auch allen anderen Branchen und der verladenden Wirtschaft offen stehen.

Bauherr und Investor des KV-Terminals mit vier Gleisen, zwei Abstellspuren und einem Portalkran ist die RegioInvest Inn-Salzach GmbH, welche auch das Investitionsrisiko trägt. Das KTB hat ein Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro, wobei rund 8,6 Millionen Euro als Eigenanteil vom Investor aufgebracht und der Rest vom Eisenbahnbundesamt gefördert wird. Getragen wird die RegioInvest durch die Stadt Burghausen, den Landkreis Altötting, die VR-meine Raiffeisenbank eG Altötting-Mühldorf sowie durch die Chemieunternehmen Wacker Chemie AG und Borealis Polymere GmbH. In der ersten Ausbaustufe ist das KTB angelegt auf 48 000 Ladeeinheiten pro Jahr mit vier Zügen pro Tag. Für die zweite Ausbaustufe mit einem weiteren Portalkran und drei weiteren Gleisen stehen noch 4,5 Hektar Fläche zu Verfügung, so dass dann bis zu 80 000 Ladeeinheiten pro Jahr mit sieben Zügen pro Tag möglich sein könnten. Mit der Inbetriebnahme im Juni 2014 stehen auch Depot-Leistungen für bis zu 1 200 Container mit 20 Fuß Größe oder für 600 Container mit 40 Fuß zur Verfügung. Zudem verfügt das Terminal aufgrund seines in Deutschland einmaligen Gewässerschutzsystems über höchste Betriebssicherheit.


Wirtschaftsstandort Burghausen im Profil:

Wirtschaftsstandort Burghausen im Profil: Als eines der erfolgreichsten Wirtschafts- und Innovationszentren Bayerns im Bayerischen Chemiedreieck – ChemDelta Bavaria – ist Burghausen mit seiner modernen Infrastruktur Stammsitz großer Chemieunternehmen und mit rund 11.000 Chemie-Beschäftigten bedeutendster Standort des Chemiedreiecks. Hier befinden sich neben dem weltweit größten Standort der Wacker Chemie AG weitere international operierende Unternehmen wie z. B. OMV Deutschland GmbH, Borealis Polymere GmbH sowie Produktionsstandorte der Linde AG und der Vinnolit GmbH & Co. KG.

Mit einer Exportrate von 80 Prozent in weltweite Märkte werden die überwiegend am Standort entwickelten innovativen Chemie- und Raffinerieprodukte vertrieben – wie zum Beispiel Polysilicium für die Photovoltaik, Siliciumwafer für die Mikroelektronik, Silikone für die Automobil- und Textilindustrie, Polymere für die Bauindustrie, Cyclodextrine für die pharmazeutische Industrie oder auch Jet-Benzin für Flugzeuge.

Das Bruttoinlandsprodukt der Stadt Burghausen mit ihren ca. 19.000 Einwohnern beträgt jährlich rund 8 Milliarden Euro, das hauptsächlich mit Chemie- und Petrochemie-Produkten erwirtschaftet wird sowie mit der Wirtschaftsleistung einer Vielzahl an mittelständischen Handels-, Gewerbe- und Industriebetrieben, Dienstleistern und Zulieferern. Die Burghauser Wirtschaft stellt derzeit 17.100 Arbeitsplätze. Mit über 13.000 Einpendlern aus ganz Südostbayern und dem angrenzenden Oberösterreich ist der Standort Burghausen wichtigster Arbeitgeber der Region zwischen München und Passau, Landshut und Salzburg.

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