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Hier produzieren auch Bürger ihren Strom

Die EnergieGenossenschaft Inn-Salzach ist an der 5MW-Anlage auf dem Lehner-Feld mit 9 Prozent beteiligt

Beim Pressegespräch vor dem Plan des Lehner-Felds: (von links) WiBG-Geschäftsführer Anton Steinberger und die EGIS-Vorstände Christoph Strasser und Elmar Wibmer. − Fotos: Wetzl


Burghausen. Die Stadt hat dafür gesorgt, dass sich Bürger an der Photovoltaik-Anlage auf der Lehner-Wiese beteiligen können. Allerdings nicht direkt, sondern nur über die im vergangenen Jahr in Neuötting gegründete EnergieGenossenschaft Inn-Salzach (EGIS). Neun Prozent der mit rund fünf Megawatt größten Solarstromanlage in Südostbayern gehören nun der EGIS. Die hat sich zum Ziel gesetzt, die Energieversorgung zu zum Teil zuregionalisieren und somit möglichst viel der Wertschöpfung auf dem Energiemarkt im Landkreis zu belassen.

Wer bei der EGIS Anteile zeichnet und damit Mitglied wird, kann sich allerdings nicht herauspicken, in welches Projekt speziell er investieren will. Über die Projekte entscheiden Mitgliederversammlung und Vorstand, kontrolliert von einem Aufsichtsrat. Die Genossenschaft betreibt verschiedene Anlagen, der Investor ist anteilmäßig automatisch bei allen mit dabei.

"Wir haben derzeit rund 320 Mitglieder, die gut 2700 Anteile gezeichnet haben", sagt Christoph Strasser, stellvertretender Vorsitzender der Genossenschaft. Weil ein Anteil 150 Euro kostet, entspricht das einem Eigenkapital von 410000 Euro. Investiert hat die Genossenschaft bereits in Burghauser Photovoltaik. Sie betreibt eine kleine Anlage mit 30 Kilowatt auf dem Aventinus-Gymnasium.

Investiert wird aber auch auf anderen Feldern, etwa der Wasserkraft. Bei einem Pressegespräch informierte Vorstandsmitglied Elmar Wibmer über das Ziel, die Herrenmühle in Altötting wieder in Funktion zu bringen und die dort derzeit brachliegende Wasserkraft zur Stromerzeugung zu nutzen.

Zurück zum Lehnerfeld, das im Süden von Burghausen neben dem Bahngleis liegt und seit Dezember 2013 Strom liefert. Ein Teil der Flächen gehört der Stadt, der Rest ist Privateigentum. Über Tausch und Gestattungsverträge konnte die städtische WiBG nach den Worten ihres Geschäftsführers Anton Steinberger zunächst 45 Prozent der Flächen übernehmen und gab daraus dann den Anteil von 9 Prozent an die Energiegenossenschaft ab. Das heißt: Jetzt ist die Stadt über ihr Beteiligungsunternehmen noch mit 36 Prozent, die EGIS mit 9 Prozent dabei. Die EGIS-Module liegen auf Grundstücken der Familie Weindl vom Lehner-Hof. Josef Weindl kümmert sich auch um einen reibungslosen Betrieb der gesamten Anlage. Er mäht unter den Modulen und hat sich für den Abtransport des Grünguts einen kleinen Ladewagen angeschafft, wie er sonst nur von Bergbauern verwendet wird.

Eine Besonderheit gibt es zudem. Wegen bereits geschlossener Verträge konnte die EGIS nicht in die Betriebsgesellschaft eintreten. Die WiBG vertritt in dieser Gesellschaft somit auch die Interessen der EGIS und gibt anteilig Betriebsergebnisse an die Genossenschaft ab.

Der Vorstand der EGIS arbeitet ehrenamtlich. Im Vordergrund steht nicht die Erwirtschaftung einer möglichst hohen Rendite, wie Strasser und Wibmer betonen. Es gehe vielmehr darum, den Energiemarkt regional zu organisieren. "Aber natürlich wollen wir auch Gewinne erwirtschaften und an die Anleger weitergeben." Dieses Anliegen unterstützen auch die Gemeinden im Landkreis und sind deshalb Mitglied. "Das Geld der Anleger ist auf jeden Fall sicher angelegt. Es steckt in den Investitionen zur Energieerzeugung und damit ist ein materieller Gegenwert vorhanden", stellt Strasser heraus.

Beide Vorstandsmitglieder machen auch kein Geheimnis daraus, dass die Genossenschaft gern noch weitere Mitglieder und deren Kapital hätte. Denn je mehr Eigenkapital vorhanden ist, umso geringer werden die Kosten für die Abschreibung, sprich die Zinsen für Bankkredite. Wer sich näher informieren will, kann dies einmal in einer Geschäftsstelle am Neuöttinger Stadtplatz beim Rathaus oder auf der Internetseite der Genossenschaft unter www.egis-energie.de

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 18.08.2014/ -rw− Fotos: Wetzl


Josef Weindl hat lange überlegt, wie er das Gras zwischen den Modulen herausholen kann. Vom Mulchen hält er nichts. Mit diesem kurzen und von hinten fördernden Ladewagen kann er gut manövrieren.

Um das Gras aus der riesigen Photovoltaik-Anlage auf dem Lehner-Feld abtransportieren zu können, hat sich Josef Weindl einen gebrauchten österreichischen "Muli 40" gekauft, ein Fahrzeug wie es sonst Bergbauern verwenden. Dahinter ist ein Teil der Module zu sehen.

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