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SHE´S NOT THERE

13.06.-08.08.2010

Angela Fechter

ANGELA FECHTER     She’s not there

Foto- und Videoarbeiten

Ausstellungsdauer: 13. 06 bis 8. 08 2010 / Mi – So 10 – 18 Uhr / Ausstellungseröffnung: Sonntag, 13. Juni 2010 / 17 Uhr

 

In den Fotos und Videos der Künstlerin geht es um die Darstellung von Frauen, die todessehnsüchtig aus dem Leben schreiten. Angela Fechter interessiert dabei die Auflösung einer Person, die es nicht geschafft hat, im Leben einen angemessenen Platz zu finden. Theoretisch gesprochen, handelt es sich um das Löschen eines Zeichens, wobei durch den Vorgang des Tilgens wiederum ein neues Zeichen entsteht, nämlich eine Leerstelle. 

In ihren Bildern möchte Angela Fechter diese Leerstelle aufzeigen. Dies kann zum einen durch das sprichwörtliche Auflösen der Konturen einer Person sein, wie es in der Fotografie Frost geschieht: Man sieht wie eine nur mit einem Unterkleid bekleidete Frau durch eine verschneite Landschaft geht. Durch die Bewegungsfotografie verwischen die klaren Umrisse der Person und die Landschaft dringt förmlich in die Frau ein. Die unpassende Kleidung der Frau verweist zudem auf die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Person.

Zum anderen kann das Verschwinden der Person auch durch das Darstellen der selbstzerstörerischen Handlung geschehen, wie es im Video Im Spiegel ist Sonntag der Fall ist. Hier sieht man angelehnt an den Roman Malina von Ingeborg Bachmann und die Lebensgeschichte von Bachmann selbst, wie eine Frau in ihrem Bett mit einer brennenden Zigarette einschläft, davor hat sie einen Satz auf ihr Bett geschrieben : “Der Tag wird kommen, an dem die Menschen goldene Augen haben werden“. Dies soll den Wunsch nach einer positiven Utopie symbolisieren, der gleichzeitig das Augenmerk auf den momentanen Mangel rückt. Das in Flammen stehende Bett, das man am Schluss des Videos sieht, weist sowohl auf die wiederkehrenden Feuermetaphern in Bachmanns Roman, als auch auf die realen Todesumstände der Person Ingeborg Bachmann. Hier verschränken sich Fiktion und Realität.

 

In dem Film Gravely sieht man eine Frau, die eine Grube gräbt. Die Hintergründe dafür werden nicht erklärt, lediglich dokumentarisch anmutend kann man das stetig tiefer werdende Ausheben des Erdloches verfolgen. Anschließend legt sich die Frau wie selbstverständlich in die Vertiefung. Die Szene wirkt friedlich. Als jemand Erde auf den Körper der Frau häuft, lässt sie dies ungerührt geschehen. Erst der letzte Schwenk zeigt, dass es tatsächlich sie selbst ist, die sich begräbt. Der Kurzfilm kann als ambivalente Selbstentfremdung wie Selbstbehauptung gesehen werden. Durch das Begraben Werden formuliert sich eine Selbstartikulation aus dem Schweigen.

Darüber hinaus gibt es eine Bilderserie, die an Gemälde der Kunstgeschichte erinnert, die den Suizid von Frauen oder den Moment davor, zum Inhalt haben: Lucretia, Ophelia und Cleopatra. Als Vorlage dienen hier Malereien von John Everett Millais und Eugene Delacroix, die in einen neuen Kontext gesetzt werden.

Auch in dem Foto Magdalena ist der Vanitas- und Memento-mori-Gedanke offensichtlich: Spiegel, Kerze und Totenkopf dienen hier als Metaphern für die Vergänglichkeit der irdischen Güter und den Verfall des menschlichen Körpers.

In der Fotoserie Das leere Haus ist ein verlassenes Haus zu sehen, in dem sich ein Kind und eine Frau befinden. Dabei dient die Verlassenheit des Hauses als Spiegel für die Verlassenheit der Personen. Auf der einen Seite ist die Atmosphäre rätselhaft und düster, auf der anderen Seite scheinen Blicke durch das Fenster etwas Positives zu verheißen, das aber nicht konkret formuliert wird.

Wie ein Leitfaden zieht sich der Topos „Der Tod und das Mädchen“.durch alle Arbeiten der Künstlerin.

 

Bildnachweis: „Frost“ 2004 © Angela Fechter

 

 

 

 

 

 

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