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Interventionen

10.07.-04.09.2005

Petra Gerschner

In der Ausstellung Interventionen zeigt Petra Gerschner Arbeiten, die sich mit subjektiven und kollektiven Kriterien von Erinnerung und der gesellschaftlichen Bildproduktion als Versteck sozialer und politischer Machtmechanismen auseinandersetzen. In ihren fotografischen Projekten werden Tourismus und Kolonialgeschichte, sowie die Spannbreite von Rollenklischees und geschlechts­pezifischen Persönlichkeitskonstruktionen kritisch reflektiert. Medienbilder und Werbefotos sind Orte der Projektion, die Sehnsüchte, Wünsche und Ängste freisetzen und die Vorstellung von der Wirklichkeit formen. Indem Petra Gerschner auf vorhandene Bildkonstruktionen mit eigenen Inszenierungen antwortet, versucht sie Methoden und Strategien dieser Systeme sichtbar zu machen und neue Bedeutungs- und Wirklichkeitsebenen einzuführen. Als orts- und kontextezogene Interventionen changieren ihre konzeptuellen Arbeiten zwischen minimaler Irritation und offener Infragestellung medialer Botschaften und gesellschaftlicher Vereinbarungen.

In der Diashow What does memory mean to you? 2005 lässt die Künstlerin aus Bildfolgen ihrer dokumentarischen Aufnahmen, Inszenierungen und persönlichen Erinnerungen von 1985 bis 2005 Narrative entstehen, die eine Beziehung zwischen Bildern und Ereignissen schaffen, die auf den ersten Blick nicht zusammen erinnert werden. In dieser Projektion werden die Mythen der Macht brüchig und Fragen nach Interventionsmöglichkeiten aufgeworfen. Die Videoinstallation fashion issue, summer 2002 spiegelt die zunehmende Militarisierung von Mode und Alltagsästhetik. Die großformatige Fotoarbeit In what we trust, 2002-2005 zeigt globalisierte Kulturlandschaft als Kriegsgebiet.

In Petra Gerschners Fotoserie Interventions 2003-2005 werden die BetrachterInnen mit einer stofflichen Oberfläche konfrontiert, deren Farbe dem Himmel ähnelt und im Foto einen symbolischen Akt der Blindheit generiert. Dieser blinde Fleck, der in medien­theoretischer Sicht die Funktion einer Blue Box einnimmt, dient als Projektionsfläche für Sehn­süchte und Verlangen.

Die Burka schafft Distanz zwischen dem Körper der Frau und den auf sie gerichteten Blick, sie schirmt ab und verhüllt. Die BetrachterInnen erfüllt ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Nicht-Sichtbarkeit, die der verhüllte weibliche Körper impliziert. Dies öffnet den Raum für weitere Allegorien, die jenseits der orientalisierten Vorstellung weiblicher und männlicher Körper- und Funktionsbilder liegen. In diesem Fall führt Gerschners Performance - denn die Künstlerin verbirgt sich stets selbst unter der Burka - zu einer Performativität des öffentlichen Widerstands, der auf den Blick der Anderen sowie den Blick auf das Andere fokussiert.

Petra Gerschners fotografische Inszenierungen werfen Fragestellungen nach einer Überprüfung allgemein gültiger Informationen sowie gesellschaftlicher Normen auf. Interventions widersetzt sich dem westlichen Diktat des Enthülltseins und verstößt zugleich mit der aktiven Partizipation und Gestaltung des öffentlichen und politischen Lebens in der Burka gegen tradierte Konventionen.

Die Burka gilt hier als Zeichen unvereinbarer Formen von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Sie kennzeichnet jenes Erzählmoment innerhalb der Fotografie, das aus einer Umkehrung kulturell eingeschriebener Alltagsrituale resultiert. Gerschners Serie Interventions bezieht sich auf die performativen Aspekte der Burka und hinterfragt ihre Gültigkeit im sozialen und politischen Kontext westlicher Normalität. Das Motiv der Verhüllung erhält dabei eine zentrale Bedeutung, um die Zuschreibungen innerhalb der westlichen Welt offen zu legen, in der das unbekannte (physische) Territorium ins Feld des Unheimlichen und Unbewussten rückt und in Richtung eines unsichtbaren Gegners projiziert wird.

 

 

 

 

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