Veranstaltungssuche
Ticket shop

Heinrich Lennard

01.04.-16.06.2002

Der Burghauser Familienfotograf

 

Heinrich Lennard wurde am 13. Juli 1880 in Sharpsburg/Pennsylvania in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren. Seine Eltern, Klara und Michael Lennard, stammten aus dem „Bezirksamt Eggenfelden“ und waren in den siebziger Jahren nach Amerika ausgewandert. Der Vater, von Beruf Bäcker, starb mit 59 Jahren 1890 in Sharpsburg/USA.

Seine Frau Klara und der Sohn Heinrich kehrten 1893 in die alte Heimat zurück. Der vierzehn­jährige Heinrich begann in Deggendorf eine Fotografenlehre. Anschließend war er als Geselle bei Foto Knarr in Rosenheim tätig. 1897 zog Frau Lennard mit ihrem Sohn nach Burg­hausen. Hier eröffnete der junge Fotograf am 16. Dezember 1897 im Haus Stadtplatz Nr. 43 ein Fotoatelier. Im Burghauser Anzeiger war am 27. November 1897 die erste Ankündigung der Geschäftseröffnung mit folgendem Inhalt erschienen:

„Erlaube mir den sehr verehrlichen Bewohnern von Burghausen und Umgebung anzuzeigen, daß im Haus Nr. 43 Stadtplatz mein neuerbautes Atelier in ganz kurzer Zeit fertig gestellt sein wird und fotografische Aufnahmen in demselben stattfinden können.

Hochachtungsvollst Heinrich Lennard, Fotograf aus Pittsburg/Amerika“.

In den ersten Jahren in Burghausen hatte Lennard keine Gehilfen. Nur seine Mutter war ihm eine sehr tüchtige und uneigennützige Mitarbeiterin.

Am 14. April 1902 heiratet der junge Fotograf in der Stadtpfarrkirche St. Jakob Fräulein Therese Nutz aus Oberbuchfeld, Landkreis Neumarkt i.d. Oberpfalz. Lennards einziges Kind, die Tochter Henriette, wurde am 13. Februar 1903 geboren.

1904 übernahm Heinrich Lennard das Atelier von Josef Wild, der nach Nürnberg verzogen war und im gleichen Jahr noch kaufte er das Haus Nr. 44 am Stadtplatz und verlegte auch dorthin seine Wohnung und das foto­grafische Atelier.

Im Burghauser Anzeiger erschien dazu folgendes Inserat:

Schon in den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Burghausen schuf Lennard sehr beachtliche, eindrucksvolle und überraschende Fotos. Es sind dies für die damalige Zeit nicht übliche soziale Fotostudien. Es gehörte viel Mut, Können und fotografisches Einfühlungsvermögen dazu, in einer Kleinstadt solche Fotos zu erstellen. Diese Bilddokumente sind technisch einwandfrei aufgenom­men und brillant ausgearbeitet. Lennard hatte zu dieser Zeit ein sehr modernes Labor und Atelier. Für einen Provinz-Fotografen zeugt dies von großer Fortschrittlichkeit.

Seine Serie aus dem Familienleben eines Tagelöhners, aufgenommen in der Wohnküche eines Hauses am Burgsteig, fand in der Fotowelt erhebliche Beachtung. Aus der gleichen Periode stammen auch die Aufnahmen einer Geschwistergruppe vom Hofberg und Fotos mit Lennards Tochter beim Puppenspiel.

Den Burghausern jedoch ist Heinrich Lennard vor allem als Familienfotograf bekannt. Ob Taufe, Erstkommunion, Hochzeit oder die vielfältigsten Porträt- und Familienaufnahmen, in vielen Burg­hauser Familien sind eindrucksvolle Zeugnisse der Fotokunst von Heinrich Lennard vorhanden. Über mehrere Generationen hinweg begleitete Heinrich Lennard Burghauser Familien „von der Wiege bis zur Bahre“. Eine Menge dieser Fotodokumente, die er in all den Jahren schuf, blieb uns erhalten. Sie bilden heute einen wesentlichen Bestandteil unserer Sammlungen.

Einen Schwerpunkt unserer Sammlungen bilden Aufnahmen von Brautpaaren. Als es noch nicht möglich und üblich war, den Fotografen zur Trauung in die Kirche zu bestellen, gehörte es ab dem 20. Jahrhundert zu den unerlässlichen Ritualen einer Heirat, dass sich das festlich geschmückte Brautpaar ins Atelier des Photographen begab. Wenn ein lebensgeschichtlicher Anlass im Bilde festgehalten werden musste, dann zuallererst der, an dem Mitglieder zweier Familien den Bund der Ehe schlossen. Damit sollte auch ein Dokument geschaffen werden, an dem sich später zeigen ließ, wie alles einmal angefangen hatte. Der „wichtigste Tag im Leben“ wurde von fast allen Braut­paaren festgehalten, so dass wir aus einem umfangreichen Fundus an Brautbildern schöpfen und hier einen Querschnitt aus den verschiedensten Zeitabschnitten und Stilepochen präsentieren können.

Aufschlussreich ist es, das Beiwerk und den Hintergrund der gezeigten Aufnahmen zu betrachten. Anhand des dargestellten Interieurs und des schmückenden Beiwerks kann ohne Aufdruck des Lichtbildners das Foto einem bestimmten Fotografen und seinem Atelier zugeordnet und der Zeitpunkt der Aufnahme in etwa eingegrenzt werden. Für Liebhaber bietet sich hier ein weites Feld zum Studium von Möbelstücken, Leuchtern, Vasen und der teilweise künstlerisch ge­stalteten Atelierhintergründe. Auch die jeweilige Mode bzw. Kleidung gibt entsprechende Hinweise zur Entstehungszeit.

1915 erhielt Heinrich Lennard von der Königin Maria-Theresia und von Prinz Alfons von Bayern höchste Anerkennung für seine Foto­arbeiten. Dieses vermerkte er stolz mit dem hier gezeigten Aufdruck auf den Rückseiten seiner Aufnahmen.

Erst 1920 gab Lennard seine amerikanische Staatsbürgerschaft auf.

Der Fotomeister Heinrich Lennard war sehr vielseitig interessiert, äußerst fleißig und auch geschäftstüchtig. 1947 konnte Heinrich Lennard sein 50jähriges Geschäftsjubiläum feiern. Aus diesem Anlass schenkte er der Stadt Burghausen ein Album großformatiger Fotos von historischen Bauten, Kunstwerken und Naturschönheiten Burghausens. Diesen Aufnahmen galt seine besondere Vorliebe, wie uns Inge Neumeier wissen ließ. Frau Neumeier, geborene Golling, Enkelin von Heinrich Lennard, war zugleich der letzte Lehrling des Fotomeisters Heinrich Lennard.

Am 11. März 1953 verstarb Heinrich Lennard im 73. Lebensjahr. Das Geschäft wurde noch im gleichen Jahr von Fotomeister Paul Kokott übernommen – das Anwesen verblieb in Familienbesitz.

Mit Heinrich Lennard besaß Burghausen einen sehr engagierten, schöpferischen und talentierten Fotografen. Er war mit seinen Fotoarbeiten in vielen Belangen und Richtungen seiner Zeit voraus und wurde über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt.

100 Jahre nach seiner Eheschließung mit Therese Nutz am 14. April 1902 widmen wir

HEINRICH LENNARD

- Der Burghauser Familienfotograf -

 

vom 1.April bis 16. Juni 2002 eine eigene Sonderausstellung.

 

 

 

 

loading
Dummy Loading ...
MENÜ