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Virtueller Spaziergang durchs neue Stadtmuseum

Burghausen kann auf eine bewegte Stadtgeschichte zurückblicken. Die wird jetzt auf der Hauptburg mit viel Aufwand und rund 1,2 Millionen Euro in Szene gesetzt. Der erste Abschnitt des neuen Stadtmuseums wird 2016 eröffnet.

 

 

Nur scheinbar wiegt sich das Stadtmuseum auf der längsten Burg der Welt (1051 Meter) in einem Dornröschenschlaf. Denn nach der erfolgreichen Bayerischen Landesausstellung „Bayern und Österreich“ 2012 sind die Ausstellungsräume der Hauptburg für Besucher geschlossen. Hinter den schönen Burgkulissen entsteht gerade das neue Stadtmuseum Burghausen, das Anfang 2016 eröffnet werden soll.

Beispielhaft agieren die Stadt und ihr Bürgermeister Hans Steindl. Die Maßnahme wird zu 100 Prozent von der Stadt Burghausen finanziert. 1 250 000 Euro nimmt die Kommune, die 17 715 Einwohner (Stand 2014) zählt, für den ersten Bauabschnitt in die Hand. Einstimmig wurde dies am 10. April 2013 vom Stadtrat beschlossen.

1400 Quadratmeter über vier Stockwerke wird das Museum letztendlich haben. Gerade in Arbeit sind das Erdgeschoss und das zweite Obergeschoss. „Der Museumsausbau wird in zwei Projekte gesplittet und damit über drei Haushalte verteilt“, sagt Eva Gilch, Leiterin des Stadtmuseums und des Stadtarchivs Burghausen. Sie leitet das Projekt, dessen erster Abschnitt von 2013 bis 2015 gestaltet wird. Der zweite Abschnitt − das erste und das dritte Obergeschoss − wird von 2016 bis 2018 verwirklicht werden. Fachliche Beratung gibt es auch von der Landesstelle der nichtstaatlichen Museen Bayerns.

Eine Besonderheit des Museums ist, dass die Burg selbst nicht in städtischem Besitz ist. Sie gehört dem Freistaat Bayern und ist damit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen unterstellt. Das Stadtmuseums ist, ebenso das Fotomuseum , Mieter − und das schon seit 1899, als das Museum gegründet wurde.

Jedes Stockwerk wird ein Thema haben

Für die Gestaltung des neuen Stadtmuseums wurde ein Wettbewerb ausgelobt, den die Firma Atelier & Friends GmbH, die Kreativschmiede mit Hauptsitz in Grafenau , gewonnen hat. Bei Atelier & Friends beschäftigen sich Markus Muckenschnabl, Projektleiter Grafik, der seit vielen Jahren Erfahrung im Bereich Museums- und Ausstellungsgestaltung hat, und Rainer Blöchinger, Projektleiter Innenarchitektur, mit der Umsetzung.

Jedes Stockwerk wird ein Themahaben − ist die Idee der Ausstellungsmacher. Und jedes Stockwerk wird eine bestimmte Farbschiene haben.

Das Erdgeschoss zeigt das Leben im Mittelalter auf der Burg; das erste Obergeschoss wird Burghausen als Kunststadt präsentieren, das zweite Obergeschoss zeigt die Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, das dritte Obergeschoss wird den Naturraum Salzach-Wöhrsee darstellen.

„Der Besucher kann sich entscheiden , welches Thema Schwerpunkt seiner Besichtigung sein soll.“

In den beiden ersten Abschnitten (also Erdgeschoss und zweites Geschoss) werden insgesamt rund 500 Exponate zu sehen sein, in Virtueller Spaziergang durchs neue Stadtmuseum Wechselwirkung mit Bild- und Textmaterial.

Rein in dieWelt des Mittelalters

Begeben Sie sich mit Ihrer Heimatzeitung jetzt vorab auf den virtuellen Rundgang durch das neue Museum.Wir betreten dieWelt des Mittelalters, das vor allem anhand des Herzogspaares Georg und Hedwig dargestellt wird.

Im ersten Raum sieht sich der Besucher mit Ritterrüstung, Hellebarden und Brustharnisch konfrontiert. „Thematisiert werden Burgen als Symbol der Macht, aber auch der Burgenbau an sich. So wird der Besucher zum Beispiel eine Baustelleninszenierung betreten können“, sagt Eva Gilch.

Wenn es um das Leben auf der Burg geht, braucht Burghausen nichts zu erfinden, war die Anlage doch schon im 13. Jahrhundert nach der ersten Teilung Bayerns eine wichtige Residenz der Herzöge von Niederbayern und Bollwerk gegen Salzburg und Passau. „Wir wissen, wie Georg und seine Frau Hedwig lebten. Texte aus der Haushaltsführung können die Exponate unterfüttern“, sagt Corinna Ulbert-Wild, die mit Eva Gilch für die Neukonzeption verantwortlich ist.

„Erlebnis“ und „Inszenierung“ sind denn auch die Schlüsselbegriffe , denn gerade das Erdgeschoss ist sehr kinder- und familienbezogen und soll Besucher aus ganz Bayern anziehen. Mitmachstationen sollen Spaß machen und zeigen, welche Burgenformate es zum Beispiel im Mittelalter gab.

„Einen emotionalen Brückenschlag“ zu heutigen Burghausern will die Ausstellungsmacherin auch setzen, indem sie Kontextfotos eingebaut hat. Und das mit Witz: So hat sich zum Beispiel eine ehemalige Kulturreferentin zur Verfügung gestellt, in einer „Halsgeige“ zu posieren. Das war im Mittelalter u. a. eine Bestrafungsform für zänkische Frauen.

Das Erdgeschoss hat sieben Räume. Die Museumsmacher wissen jetzt schon, dass der Badezuber und die Latrine, die nach einem Vorbild aus dieser Zeit in Landshut gestaltet ist, sicher ein Renner bei den jungen Besuchern wird. Das Thema Hygiene, Beleuchtung und Schlafen ist weit vom Luxus heutiger Zeit entfernt.

Wer weiß heute schon, wie eine Laterne, Pech, Talg oder Wachs duftet oder stinkt? An „Riechstationen“ kann man es testen. Diese gibt es z. B. auch in der Küche für Kräuter und Gewürze anno dazumal.

Im Fokus stehen Erlebnis und Inszenierung

Das Alltagsleben nimmt überhaupt einen breiten Raum ein. Ein Höhepunkt ist ein Puzzle über Tischsitten. Man staune: Im Mittelalter gab es schon Tischdecken! Besonders spannend bei unseremvirtuellen Rundgang durch das neue Stadtmuseum wird es beim Thema Mode. Der Besucher kann sich auf einen Laufsteg begeben und mittelalterliche Kleidung probieren. Da ist den Museumsdamen ein Coup gelungen: Kostümbildner der Dresdner Akademie der Künste haben historische Kostüme nachgeschneidert. Die Stoffe werden in Beziehung gesetzt zu historischen Gemälden. Ein Beispiel: Herzog Georg trug gerne Hermelin.

Jagd war auch Frauensache

Die letzte Abteilung zeigt Kurzweil im Mittelalter. Vergnügungen waren damals Tanz, Turnier und Jagd. Vögel, die zur Jagd eingesetzt wurden, werden gezeigt. Jagd war damals übrigens keine Männerdomäne. So weiß man, dass Jagd eine Lieblingsbeschäftigung von Hedwig war.Der Besucher kann sich u. a. auch mit mittelalterlicher Musik vertraut machen.

Und: Es gibt auch einen Raum, der einem Schlossgespenst gewidmet ist . . .

Das zweite Obergeschoss mit neun Räumen und 670 Quadratmetern bietet einen kompakten Überblick über die Stadtgeschichte von der Vor- und Frühgeschichte mit vielen Funden aus Burghausen und der Region bis zur ersten Erwähnung 1025 in einer Urkunde der Kaiserin Kunigunde. „Das Glanzlicht ist ein Geländemodell, hier werden die wichtigsten Ereignisse und größten Katastrophen projiziert“, sagt Eva Gilch. Burghausen war Herzogstadt bis 1503 und hatte die hohe Gerichtsbarkeit. „Gruselige“ Exponate wie das Richtschwert des letzten Henkers , eine Folterbank, ein begehbares Schafott versinnbildlichen diesen Aspekt.

Zweite große Karriere der Stadt:Wacker

Der Handel mit Halleiner Salz war vom 14. bis 16. Jahrhundert Grundlage für den Wohlstand Burghausens. Unser virtueller Rundweg führt uns durch die Grüben in der Altstadt, hier sind Handwerker, Zünfte und deren Exponate zu bestaunen. Bei unseremvirtuellen Rundgang läuft man auf einen riesigen Salzkristall zu; der Niedergang des Salzhandels und der Verlust des Innviertels, die Burghausen zu einer Grenzstadt machen, lassen die ehemals reiche Stadt beinahe in die Bedeutungslosigkeit fallen. Auf unserem Weg kommen wir durch ein Labyrinth, in dem die Fassaden bröckeln. An neun Themen erleben wir den Untergang der Stadt.

Jetzt muss der Besucher aber einen Haken schlagen, denn die Stadt kriegt die Kurve − gerade noch: Am Beginn des 20. Jahrhunderts beginnt mit dem Fremdenverkehr und vor allem mit der Industriegeschichte die „zweite große Karriere der Stadt“, wie es Eva Gilch bezeichnet.

Der Besucher kann an einem Kaffeehaustisch mit Paul Klee oder mit Ludwig Thoma sitzen, beides Besucher von Burghausen, − und er schreitet durch das Werkstor vonWacker. Ein wichtiges Kapitel ist der Museumsleiterin auch die NS-Zeit.

„Ein Museum zur Stadtgeschichte muss diese Zeit aufarbeiten“, sagt sie. Ein Stadtplan von Burghausen wird zeigen,woder Nationalsozialismus in der Stadt verankert war, wo zum Beispiel der Adolf-Hitler- Platz war und dass dem Diktator wie vielerorts eine Ehrenbürgerschaft angetragen wurde. Das Kapitel wird auch durch zahlreiche Bilder und Grafiken zum Beispiel von der Reichspogromnacht illustriert. Audiostationen werden Materialien gegen den Rechtsextremismus bieten. Der virtuelle Rundgang zeigt: An dieser Stelle gibt es ein bauliches Wagnis, das visuell beeindruckt. Der Besucher steht vor 40 über drei Meter hohen Schwarzstahltafeln. Sie sind Symbole für die Gleichschaltung im Nationalsozialismus; sie sind Träger von Bildern und Karten aus dieser Zeit.

Als großer Keil ist die Zäsur des 8. Mai 1945 dargestellt. An einer Hörstation kann man den Erinnerungen eines amerikanischen Soldaten lauschen.

Der Wiederaufbau ist in der Farbe Grün gestaltet. Eine Hoffnung, die sich wiederum erfüllt hat. Der zweite wirtschaftliche Aufstieg der Stadt beginnt, der ohne Wacker nicht denkbar wäre − und auch nicht ohne die Kulturinitiativen. Die werden erlebbar in Filmen. Da gibt es einen Überblick über die Jazzwoche, die Touristik, Kunst und Kultur der Region sowie einen Film zu 100 JahreWacker.

Quelle: Burghauser Anzeiger vom 09.03.2015 -Von Edith Rabenstein/− Fotos: Atelier & Friends


Hauptburg-Burghausen

Museumsgeschichte

Seit 1899 präsentiert das Stadtmuseum seine Sammlungen in der mittelalterlichen Burganlage. Die Hauptburg bietet einen...

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