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Manifest

für das Recht der Kinder auf Spiel und freie, selbstbestimmte Zeit

Kindheit, als eine eigenständige Lebensphase hat sich mit ungeheurer Geschwindigkeit drastisch verändert. Die damit einhergehenden Folgen und Strukturen rauben den Kindern Zeit und Freiraum zum Spielen in nie dagewesenem Ausmaß!

Seit dem sogenannten PISA- Schock 2001 weht der Wind der Veränderung mächtig durch das Land. Die Schlussfolgerungen der Bildungsdebatte in Deutschland und anderen europäischen Ländern führten dazu, dass sich der Leistungsdruck und die Anforderungen an die Kinder erhöht haben. Gleichzeitig wurde es für Kinder nahezu unmöglich, selbstbestimmt, unbeobachtet und unkontrolliert spielend Zeit zu verbringen. 

Wir stellen fest: In ihrem Streben nach Glück und Freiheit geraten Kinder an immer engere Grenzen. Kindheit wird von Erwachsenen funktionalisiert, rhythmisiert, betreut, verrechtlicht und verregelt. Erwachsene wünschen sich eine Rundum-Betreuung und Sicherheit für ihre Kinder ohne ungewisse Freiräume. Kinder müssen immer mehr funktionieren. Sie leben in einem hohen Maß in Ganztagsbetreuungen und sind mit schulischen Aufgaben beschäftigt! Sie werden von uns Erwachsenen überschüttet mit gutgemeinten Bildungsprogrammen und wohlwollenden, feinmaschigen Betreuungsangeboten. Wir Erwachsene schaffen für Kinder Bedingungen, in denen das freie, selbstbestimmte Spiel immer weiter zurückgedrängt wird.

Aber Kinder spielen!

Kinder entdecken spielend die Welt, die sie erforschen und sich zu Eigen machen. Sie entwickeln sich spielend in ihrer Persönlichkeit. Sozial und kommunikativ kompetent wollen und können sie selbst bestimmen, eigenen Interessen folgen, mit Neuem experimentieren. Sie bilden sich aus sich heraus stetig weiter. Das geht nur, wenn sie dies auch selbst bestimmen dürfen und ihnen Zeit dafür zugestanden wird.

Kinder müssen spielen!

Alle lebenspraktischen Fähigkeiten können Menschen nur in aktiven und selbstbestimmten Bedingungen und im Spiel entwickeln. Sie müssen alle ihre Sinne ständig nutzen um Zusammenhänge herzustellen. Die dafür benötigten gestaltbaren Spiel- und Naturräume werden jedoch stetig begrenzt und zugunsten vorbestimmter Nutzungsflächen verwandelt. Die Abschaffung bzw. die Funktionalisierung begehbarer Spiel- und Naturräume bewirkt, dass sich die Kinder kaum noch mit Gleichgesinnten verabreden und nur wenig eigenbestimmten, gestalterischen Tätigkeiten nachkommen können. Hingegen wächst unmäßig das konsumierbare Angebot an virtuellen und künstlich erschaffenen Spielwelten, in denen die sinnliche Vielfalt massiv reduziert wird. Die Entwicklung und Ausbildung handwerklicher, kultureller, sozialer und kreativer Fähigkeiten findet immer weniger im spielerischen, eigenbestimmten Tun statt. Die moderne Technik, die Überversorgung und Dauerbetreuung verhindern den selbsttätigen Erwerb lebensnotwendiger Fähigkeiten.

Spiel ist ein elementares Recht!

Spiel ist nicht nur ein Grundbedürfnis von Kindern. Kinder haben ein Recht auf Spiel. Das regeltdie UN-Kinderrechtskonvention von 1989, die 1992 in Deutschland in Kraft trat.Spiel braucht keine Begründung. Spiel ist ein biologisch angelegtes Muster im Menschen. Und zwar das Spiel draußen ohne pädagogische Anleitung durch Erwachsene. Auch Erwachsene spielen, aber Spiel ist ein zentrales Element im Leben und Aufwachsen von Kindern. In Artikel 31, Absatz 1 heißt es: Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben. Im SGB 8 §11 wird dieses Recht zusätzlich ausgeführt. Der gesellschaftliche Bildungsauftrag sieht eine gleichberechtigte Förderung von sozialen Kompetenzen, Wissen und geistigen und kulturellen Fähigkeiten vor und schreibt darin dem freien, selbstbestimmten und gestalterischen Spiel eine große Bedeutung zu.

Denn Spielen ist Probierverhalten, Erleben und Erfahrung und gleichzeitig Weltaneignung und Wirken in die Welt. Die Qualitäten und die einzigartigen Wirkungen des Spiels sind nachhaltig philosophisch, pädagogisch, geisteswissenschaftlich, bildungswissenschaftlich und neurobiologisch erforscht: Spielen ist lebensnotwendig und ein unveräußerliches elementares Recht!

Wir fordern von allen Erwachsenen in ihren Verantwortungsbereichen:

• Die umfassende Verwirklichung des Kinderrechtes auf Spiel und Freizeit

• Eine deutliche Ausweitung bewegungsfreudiger, handwerklicher und kulturellästhetischer Erfahrungsräume, in denen soziale, kommunikative und lebenspraktische Fähigkeiten erprobt und stabilisiert werden können

• Mehr Zeit für Kinder, ihrer Entdeckungsfreude nachgehen zu können. Mehr Zeitfür Kinder, um mit anderen Kindern eigenbestimmt spielen zu können

• Eine Reduzierung der schulleistungsbezogenen Verpflichtungen für alle Kinder

• Mutig und beharrlich das Recht der Kinder auf Freiheit und Abenteuer zu unterstützen. 

Alle Kinder wollen spielen, Erwachsene haben ihnen Zeit und Raum dafür zu geben.Wir Erwachsenen bestimmen die Kindheitsbedingungen – wir müssen sie für unsere Kinder imWert und im Geist der Kinderrechte verändern!

Unterstützen Sie das Manifest und setzen Sie sich mit uns für einen gesellschaftlichen Wandel ein.

Für die Kinder. Für ihr Recht auf Spiel und freie, selbstbestimmte Zeit!

Sie können das Manifest hier unterzeichnen.

 

Für die BAG Spielmobile: R. Birkner, Karlsruhe, T. Dau- Eckert, Flensburg, T. Wodzicki ,Hopfgarten, S. Melulis, Oberhausen

Ansprechpartner bei Fragen, Anregungen und Hinweisen ist: Thomas Wodzicki (Projektentwickler BAG Spielmobile e.V.) Mail: projekte(at)spielmobile.de

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