Bildnisse der IMAGO 1:1
IMAGO 1:1
Die begehbare Selbstporträtkamera mit den Originalmaßen von 7x4x3m, ermöglicht eine 1:1 Abbildung im Format 60 x 200 cm - direkt auf ein Silbergelatine-Schwarzweiß-Umkehrpapier. Bei diesem analogen fotografischen Prozess entfällt das Negativ, die Belichtung erfolgt mittels Projektion auf das Fotopapier – jedes Bild ist ein Unikat.
Von der Technik der wissenschaftlichen Fotografie ausgehend, schuf der Physiker Werner Kraus Anfang der 70er Jahre eine eigens für die 1:1 Fotografie entwickelte Optik.
Der Nürnberger Professor für Goldschmiedekunst, Erhard Hössle, konstruierte ein aus verschweißten Eisenplatten und beschichteten Planen bestehendes begehbares Kunstobjekt, in dessen Innenraum man sich, ohne Fotograf, nur seinem seitenrichtigen Spiegelbild überlassen, selbst fotografieren kann.
Die Kamera war in den 70erJahren auf zahlreichen Ausstellungen vertreten - u.a. auf der Photokina 1976, damals eingeladen und mit einer Auszeichnung (Obelisk) von Prof. Fritz Gruber, geehrt, dem Begründer der Photokina.
Das Interesse für die Fotografien war groß und die Bilder erregten Aufsehen. Mitte der 80er Jahre jedoch wurde die Produktion des Fotopapiers eingestellt und somit die Kamera im Lager der Neuen Sammlung München eingelagert.
Die Schauspielerin und Künstlerin Susanna Kraus, Tochter des Erfinders, reaktiviert im Jahre 2004 die Kamera Imago 1:1 und bringt das „Kraus Silbergelatine SW Umkehrpapier“ wieder auf den Markt. Nach intensiven Bemühungen ist es ihr gelungen, verschiedene europäische Firmen zur Zusammenarbeit zu bewegen, um sich dieses komplizierten Herstellungsverfahrens erneut anzunehmen.
2006 stößt die Wiener Fotografin Annegret Kohlmayer zum Projekt und gemeinsam werden die fotografischen Möglichkeiten dieser Kamera weiterentwickelt.
Erstmals ist die Kamera wieder in voller Größe und Funktionstüchtigkeit zum Monat der Fotografie 2006 in Wien zu sehen. Für die Realisation eines Buchprojektes über den Zirkus Roncalli wird sie dann nach München transportiert. Ab Oktober 2007 steht die Kamera im „Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe“ (ZKM) im Rahmen der Ausstellung „You_ser...“ von Peter Weibel.
In der Kamera Imago 1:1 entstehen Selbstportraits mit dem Blick auf das Charakteristische, auf das Dahinter. Im Mittelpunkt steht der Moment des sich Einlassens – des Einlassens auf sich selbst, an diesem Ort, zu dieser Zeit. Es geht hier, sei es in der Technik oder im künstlerischen Ausdruck, um Authentizität und Einzigartigkeit. Durch das Spiel mit Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe, Hell-Dunkel-Kontrasten, entstehen Bilder mit besonderer Ästhetik. Alle Entscheidungen werden vor dem Auslösen getroffen, es erfolgt keine Nachbearbeitung und auch keine Vervielfältigung. Beliebigkeit und Austauschbarkeit sind daher kein Thema.
Die Kamera dient aber auch immer zur Umsetzung eigener künstlerischer Arbeiten. Auf diese Weise entstand die Ausstellung „Göttliches Spiel“ - fotografische Betrachtungen zur griechischen Mythologie von Susanna Kraus und Annegret Kohlmayer, die im Aug./Sept. 2007 im Theseustempel des Kunsthistorischen Museum Wien gezeigt wurde. Weitere Ausstellungen folgen.
Zur Ausstellungseröffnung in Burghausen werden die Erbauer der Kamera, der Physiker Werner Kraus und der Goldschmied Erhard Hößle erwartet.
Susanna Kraus / April 2008
Das Portrait - Das Selbstportrait in der Kamera IMAGO 1:1
Zwei Gedanken
Begegnung
Die folgenden Gedanken und Betrachtungen sind nicht im allgemeingültigen Kontext zur Portraitfotografie zu verstehen, sondern beziehen sich auf die Bildnisse aus der begehbaren Camera IMAGO1:1.
Die IMAGO1:1 - Ist es eine Installation? Eine Performance? Ist es interaktive Kunst? Ein Theatralisches Ereignis? Ein Gesamtkunstwerk? Ist es Malerei? Oder Fotografie?
Nach Jahren intensivster Arbeit mit und in der Kamera IMAGO1:1 weiß ich: Sie ist ein Medium der gestaltenden Begegnung. Begegnung auf vielerlei Ebenen:
Die Begegnung mit mir und der Kamera, die mich einlädt in sie hinein zu gehen, um mich zu portraitieren. Die Begegnung mit mir im seitenrichtigen Spiegel während ich mich fotografiere. Die Begegnung mit dem Ergebnis, dem fertigen Bild, der Projektion meiner Person in Lebensgröße. Die Begegnung eines fremden Betrachters mit meinem Bild. Meine Begegnung mit dem Bild eines Fremden.
Die Betrachtung eines lebensgroßen Portraits aus dieser Kamera ist jedes Mal überraschend. Es ist wie eine direkte Begegnung mit der abgebildeten Person. Ich stehe einem Bildnis gegenüber und gerate in einen fragenden Dialog zwischen mir, dem fremden Betrachter und dem Gegenüber, dem auf Fotopapier projizierten Menschen. Ich bin sicher: Die verblüffende Unmittelbarkeit im „selbstgestaltenden Dialog des Betrachtens“ ist das Ergebnis der unmittelbaren Abbildung durch die Projektion.
Ich gehe weiter: In der Projektion wird der Mensch sichtbar. Vielleicht erträgt er sich in der Projektion auch nur besser, weil der uns immer fehlende Abstand zu uns selbst geschenkt wird. Eine umgekehrte Lupe.
Ich zitiere Roland Barthes:
„... Ich wünschte mir eine GESCHICHTE DES BLICKS. Denn die PHOTOGRAPHIE ist das Auftreten meiner selbst als eines anderen; eine durchtriebene Dissoziation des Bewusstseins von Identität. Noch seltsamer ist dies: Dass die Menschen vor der Erfindung der PHOTOGRAPHIE am meisten von der Erscheinung des Doppelgängers gesprochen haben. … Doch heute ist es, als ob wir das Zutiefst Wahnhafte der PHOTOGRAPHIE verdrängten: Sie erinnert an ihr mythisches Erbe nur noch durch jenes leichte Unbehagen, dass mich beim Betrachten „meiner Selbst“ auf einem Stück Papier überkommt. .....“ *
Provokation
Durch die lebensgroße Fotografie in der IMAGO1:1 kommt, in der Unterscheidung zu anderer Portraitfotografie, noch ein wesentlicher Aspekt hinzu: Die Provokation. Sie entsteht in dem Moment, in dem ich meinem (oder auch eines Anderen) fertigen Bild lebensgroß – oder anders ausgedrückt: in „Echtgröße“ - gegenüberstehe. Ausgelöst durch die Neugier und vielleicht auch Scham, die beim Betrachten meiner Selbst zu Tage tritt.
Neugier – Berührung – Annehmen – Verwerfen
So spannend der Moment des Auslösens in der schwarzen Kammer, allein mit sich und seinem „seitenrichtigen“ Spiegelbild auch ist, der darauf folgende Augenblick des sich im Bilde neu Entdeckens ist es nicht minder.In diesem Sinne ist die Kamera auch provozierendes Medium; „bin ich dieser Mensch !?“ Genau da beginnt der künstlerische Prozess im Sinne von Joseph Beuy’s Satz:
„In jedem Menschen steckt ein Künstler".
* aus: die helle Kammer - Bemerkungen zur Photographie
Susanna Kraus / April 2008
GÖTTLICHES SPIEL - Fotografische Betrachtungen zur griechischen Mythologie
In dieser Fotoausstellung geht es um die bildästhetische Auseinandersetzung mit kollektiven Vorstellungsmustern, die sich in Gestalten aus der griechischen Mythologie widerspiegeln. Der anhand der hier gezeigten lebensgroßen Portraits unternommene Ausflug in die Götterwelt offenbart einen Einblick in die psychischen Urkräfte des Menschen und ermöglicht Assoziationen zu auch heute noch bekannten menschlichen Verhalten.
Für die Darstellung archetypischer Strukturen des Menschen wurde bewusst eine spezielle Kamera gewählt, die begehbare Selbstporträtkamera IMAGO1:1 (s. Basisinformation). Das Besondere: Jedes Bild ist ein Unikat im Format 60 x 200 cm, belichtet auf einem Direktpositivpapier in Schwarz-Weiß. Präsentiert werden Einzelbilder, Tableaus und Triptychen, die durch das Spiel mit Schärfe/Unschärfe, Licht/Schatten, Hell/Dunkelkontrasten einen Eindruck ergeben, als seien sie mit Licht gemalt. Mittels der „inszenierten Fotografie“ von Susanna Kraus, Schauspielerin, Künstlerin und Tochter des Erfinders der IMAGO1:1, sowie der Wiener Fotografin Annegret Kohlmayer, gelingt die Darstellung der Götter als Projektionen der Menschen auf machtvolle Weise.
Es sind nach wie vor die griechischen Sagen, die Bilder für das gelebte kulturelle Selbstverständnis der westlichen Welt liefern. Das Wüste, Wilde und Barbarische, das Gute und Schöne, das uns in diesen Geschichten begegnet, ist stets aufs Neue Teil unserer Gegenwart.
Die Idee: Lust am Spiel mit dem Feuer
Nimmt ein bestimmter Aspekt in der Seele des Menschen überhand, entsteht Manie. In den Göttern selbst werden Zustände wie Angst, Zweifel, Neid, Eifersucht oder Glück in ihrer Reinform dargestellt und dadurch für uns Menschen kathartisch erkenn- und greifbar. In ihnen - weil aus uns herausgestellt - können wir die Absolutheit in jeder Emotion zulassen und bewundern.
„Ich widme diese Arbeit daher unserer Lust, mit dem Feuer zu spielen und all jene Extreme auszuleben, die wir uns selbst ständig untersagen“, erklärt Susanna Kraus, die das Konzept für die Ausstellung entwickelt hat. „Im Schaffensprozess lebten wir die gleiche Besessenheit aus, die auch Kirke empfunden hat, als sie die Krieger des Odysseus in Schweine verwandelte, um sich anschließend mit Odysseus zu vergnügen,“ erklärt sie weiter. Und: „Götter sind nicht nur Grenzgänger, sie überschreiten auch die Grenze, begeben sich auf die andere Seite jenseits der borderline, in den Kosmos der eigenen, unergründbaren Seele.“ Ein dem Menschen immanentes Phänomen.
Veranschaulicht wird das beispielsweise auch in dem Triptychon Die Frauen des Zeus: Eine Auswahl der recht beachtlichen Anzahl von Geliebten des Göttervaters findet sich auf neun ovalen Porträts wieder. „Die Liebestrophäen sind sozusagen auf Medaillons reduziert, wie man sie sich aufs Nachttischchen stellt,“ erklärt die Fotografin Annegret Kohlmayer, „sie befriedigen die Gier nicht mehr, sondern dienen dazu, den Hunger nach weiteren Eroberungen zu schüren“.
Die Sujets
Gezeigt werden sowohl die „Stars“ der griechischen Sagenwelt wie Zeus, Apoll und Athene, als auch weniger bekannte Gottheiten wie Semele, eine von Zeus’ zahlreichen Geliebten, oder der blinde Seher Teiresias. Dieser musste, nachdem er den Zorn der Götter auf sich gezogen hatte, als Mann und zugleich als Frau leben. Überdies wurde er von der wütenden Hera mit Blindheit geschlagen, nachdem er erklärt hatte, Frauen hätten beim Liebespiel neunmal mehr Spaß als Männer.
In der Ausstellung geht es nicht um eine Neudeutung der griechischen Mythologie, sondern um die Bearbeitung des Themas auf eine leichte und unbeschwerte Art. Diese steht in einem interessanten Gegensatz zu den dunklen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die bisweilen an gewaltige Video-Stills aus Stummfilmen erinnern. Die Bilder versuchen, diesem machtvollen Thema nicht zuletzt durch ihre enorme Präsenz zu begegnen.
Die Schauspielerin Susanna Kraus und die Fotografin Annegret Kohlmayer haben in den vergangenen Jahren zu einer idealen Zusammenarbeit gefunden; gerade durch die extreme Unterschiedlichkeit ihrer künstlerischen Herkunft und Herangehensweise ergab sich in Hinblick auf die Herausforderung im Umgang mit dieser speziellen, durch die Kamera IMAGO1:1 ermöglichten Art der Fotografie eine außerordentlich fruchtbare künstlerische Tätigkeit.
Idee & Konzept: Susanna Kraus Fotografie: Annegret Kohlmayer und Susanna Kraus
Text: Kunsthistorisches Museum, Wien 2007 siehe auch Katalog „GÖTTLICHES SPIEL“ khm
Modeaufnahmen in der begehbaren Kamera IMAGO1:1
1975 – 1978 und Heute
Die Zeit, in der die Kamera in den 70ern für mehrere Jahre fest in den Räumen der Münchner Galerie Richard P. Hartmann stand, war die Zeit in der die meisten Arbeiten entstanden.
Dieses wunderbare Instrument der Selbstdarstellung sprach sich in Künstlerkreisen schnell herum und lud ein, bei und auch in ihr zu verweilen, und seinen selbstinszenatorischen Phantasien freien Lauf zu lassen. Oft war die Kamera Mittelpunkt verschiedenster Sessions: Künstler, Schauspieler, Psychologen und Modeschöpfer reizte das Instrument der Selbstdarstellung sehr.
Was man heute einen Event nennt, war damals eine „Session“; ein spontanes Zusammentreffen, oft initiiert durch den, solchen experimentellen Treffen sehr aufgeschlossenen Galeristen, Richard P. Hartmann.
Seinen guten Kontakten zu verdanken ist z.B. der in Burghausen ausgestellte Paravent des Wiener Malers Ernst Fuchs, der Mitte der 70er während so einer „Künstler-Session“ in der Galerie entstand.
Auf die gleiche Weise entstanden auch die hier gezeigten Modeaufnahmen.
Meine Mutter, die Modefotografin Karin Kraus, deren Studio im gleichen Haus, nur zwei Stockwerke über der Galerie lag, nutzte die Nähe zur Kamera und fing oft abends, nach den offiziellen shootings, in ihrem Studio an, die Modells in der begehbaren Kamera IMAGO1:1 zu inszenieren. Es entstanden mehrere Bilder
reihen - z.B. die Serie mit den berühmten Blusen von Daniel Hechter.
Aber auch die, in den 70er Jahren heiß geliebten Kleider von Laura Ashley, wurden in der IMAGO fotografiert.
Ein Modedesignerpärchen, das auf der Leopoldstraße in München einen der angesagtesten Läden mit dem Namen „Sweetheart“ betrieb, brachte seine glitzernden Abendkleider in die Kamera und ließen sie z.B. von Schauspielern wie Iris Berben tragen.
Von all diesen frühen Arbeiten sind leider nur wenige erhalten. Sie werden in Burghausen zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt.
Nach mehr als dreißig Jahren reizt die besondere Ästhetik dieser Kamera wieder gerade Designer und Modeschöpfer, ihre Kreationen auf dieses Format zu bannen. Dass die Kamera dabei nur in Schwarz/Weiß aufnimmt, ist für niemanden ein Manko – im Gegenteil. Durch die Reduzierung der fotografischen Mittel entsteht eine Koinzidenz zwischen der Person und ihrer Bestimmung.
Die Besitzerin des Modegeschäfts „Gegenalltag“ aus Wien, welches ausschließlich Designer-Einzelstücke anbietet, hat genau dieses erkannt und lässt ihre Kleider in der Kamera fotografieren. Es entstehen Unikate der Unikate.
Der Wiener Schmuckdesigner Florian Ladstätter gibt 2006 den Auftrag, seine Schmuckkollektion für einen Showroom auf der Pariser Schmuckmesse zu inszenieren.
Susanna Kraus / April 2008
Stationen - die Wiedergeburt eines fotografischen Papiers
Als ich im Sommer 2004 durch einen Zufall auf einen Karton mit mehreren 60cm breiten Papierrollen stieß, konnte ich nicht wissen, dass dies meinem Leben eine entscheidende zusätzliche Richtung geben würde.
Gelagert an einem längst vergessenen Ort, fand ich mehrere verloren geglaubte Originalbilder aus der „begehbaren Camera IMAGO1:1“, einer Großbildkamera, die, so wie ihre Bilder, über 30 Jahre in Vergessenheit geraten war.
Entstanden sind all diese Fotografien während der 70er Jahre, der Zeit, in der die Großbildkamera von dem Physiker Werner Kraus und dem Goldschmied Erhard Hößle gebaut (1970-72) und betrieben wurde (1972-97). Ich erinnere mich an unzählige Male, in denen wir, Geschwister und Freunde, im Tiefsten verstrickt im pubertären Selbstfindungsfieber dieser existentiellen Jahre, die Kamera betraten und immer wieder den Auslöser bedienten, mit dem Wunsch, eine Antwort auf die Frage „wer bin ich“ zu bekommen.
Im Augenblick, als ich das erste Bild aus besagtem Karton entrollte, stand unmittelbar die Frage vor mir: „Wo ist die Kamera, die diese Bilder macht?“ Ich war fasziniert von der Einzig- und Eigenartigkeit dieser „schwarzen Bahnen“, auf denen die Personen schienen, als wollten sie im nächsten Moment auf dich zugehen: gehalten in einer theatralischen Position einerseits und gleichzeitig berührend lebendig. 1:1 Photografien von Menschen, die in der fotografischen Projektion durch nicht viel mehr als durch das Spiel von Schärfe -Unschärfe, Licht und Schatten, sichtbar werden. Ein Grenzgang zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Inszenierung und tiefstem ursprünglichen Ausdruck.
Die Kamera war schnell gefunden; sie befand sich in einem Lager der Pinakothek der Moderne in München, von Prof. Hufnagl, Leiter der Neuen Sammlung, gut behütet. Das Fotopapier – ein damals gängiges Reversal (Umkehr)-Papier - nicht.
Der starken Faszination, die von den Bildern ausgeht, meiner Unwissenheit, fotografisch-technischen Prozessen gegenüber, sowie einer leicht größenwahnsinnigen Einschätzung meiner Selbst ist es zu verdanken, dass ich mich unmittelbar an die Recherche dieses fotografischen Papiers gemacht habe und auch durch viele Tiefschläge mich nicht habe davon abhalten lassen, die entsprechenden Firmen dazu zu bewegen, diese längst vom Markt verschwundene Technologie wieder aufzunehmen.
Es dauerte knappe zwei Jahre, da hielt ich das erste Testpapier in Händen: Ein „Gesamtkunstwerk“ mehrerer internationaler Firmen, die bereit waren, ihr altes Wissen über eine, in Vergessenheit geratene Emulsion, wieder hervorzuholen und auch in wirtschaftlich unlukrativen Mengen für mich, als vorerst einzigem Abnehmer, zu produzieren.
In den zwei Jahren des Wartens auf „mein Positivpapier“ gab es immer wieder die Augenblicke, in denen das ganze Projekt, durch die Unmöglichkeit, die Emulsion wieder zu bekommen, zu zerplatzen drohte. In diesen Zeiten begann ich über andere Wege, zu einem Direkt-Positiv zu gelangen, nachzudenken. Umkehrbelichtung sowie Umkehrentwicklung waren solche Verfahren, mit denen ich mich parallel auseinandersetzte, mit der Absicht, mich dem Ergebnis von früher zu nähern. Große Unterstützung erhielt ich durch die Wiener Fotografin Annegret Kohlmayer, die 2006 zum Projekt stößt - gemeinsam werden die fotografischen Möglichkeiten dieser Kamera weiterentwickelt.
Die in diesem Raum gezeigten Bilder sind der Versuch, chronologisch die verschiedenen Stationen zu dokumentieren, die dann schlussendlich in der Herstellung des ursprünglichen Direktpositiv-Verfahrens endeten.
Die Wiederherstellung des Papiers war die eine Sache, die Arbeit mit diesem Papier in der speziellen Kamera, eine Andere.
Es war ein langer Weg bis zum ersten brauchbaren Ergebnis, der hier ebenfalls dokumentiert wird.
Der letzte der drei Aspekte eines Raumes in Burghausen „Stationen“ bezieht sich auf die Kamerastationen selbst, die es seit der Reaktivierung und der ersten Ausstellung im November 2006 in Wien gab.
Susanna Kraus Camera imago1:1
Krausnickstraße 3, 10115 Berlin
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E-mail: susanna-kraus@camera-imago.com, www.camera-imago.com











